Hansi Hinterseer bot in der Kasseler Eissporthalle eine ganz große Show mit der Tiroler Echo Band

Sehnsucht, Hoffnung, Sexappeal

Showtalent: Hansi Hinterseer in der Kasseler Eissporthalle. Fotos:  Herzog

KASSEL. In der Kasseler Eissporthalle, wo sich normalerweise knallharte Machos auf Schlittschuhen mit Mundschutz, Helm und Hockeyrüstung an der Bande die Knochen verbiegen, gastierte am Freitagabend der samtweiche, blondgelockte Gegenentwurf zur aggressiven Wirklichkeit.

Der Volksmusikant und Schlagersänger Hansi Hinterseer ist zur Zeit mit den feschen Buam und Madln der Tiroler Echo Band auf Tournee. Nicht als schunkelnder Werbeschneemann für den Kitzbüheler Fremdenverkehrsverein, wie man vielleicht zu Beginn des Konzertes bei der innig besungenen Hommage an die Gipfel des Kufsteiner Landes und die Bäche des Pustertals hätte vermuten können. Nein, er will „mit einfachen Worten, schlichten Melodien und ehrlichen Gefühlen“ seinen Fans einen Abend der Freude und Liebe bereiten und das gelang auf sehr eindrucksvolle Art und Weise.

Allein das Bühnenbild war schon das saftige Eintrittsgeld wert. Die Videoanimationen, die man auf großflächige, spiegelähnliche Elemente rechts und links des Bühnenrandes projezierte, wirkten ästhetisch und kraftvoll. Sie visualisierten mit viel Sinn für das Detail die verschiedenen musikalischen Themenbereiche, die Hinterseer in ein spritziges, gut durchdachtes Revuekonzept verpackt hatte.

Dabei pumpte die Polka durch das Wellblechambiente, sorgte der Walzerrhythmus für Wellengang in den nahezu vollbesetzten Sitzreihen, und Schlagerfox saugte das Publikum vor die Bühne.

Hinterseer wechselte des Öfteren die Garderobe und jedes Mal vernahm man einen leisen Seufzer aus den meist weiblichen Kehlen. Die sinnbildliche Reinheit seines Colgatelächelns, die Ruhe in seiner Stimme, mit der er simple Lebensweisheiten zum Katechismus erhob, und schließlich sein kontrollierter Sexappeal im bürgerlichen Moralformat, bedeutete für viele Hoffnung und Sehnsucht. Wenn der rote Theatervorhang sich öffnete, die Tänzerinnen die beleuchte Showtreppe hinabschwebten und der Akkordeonist flotte Heimatklänge herausnagelte, feierte sich Hinterseer selbst als jemand, der es geschafft hat.

Und alle feierten mit und gönnten es ihm, weil er ein sympathischer Mensch ist, der einfach sein Ding macht. Der Bühnensound, mit Playbacks aufgemöbelt, war fantastisch und der Songmix mit Liedern von seiner aktuellen CD „Komm mit mir“ und älteren Hits sehr gelungen. Das Konzert dauerte drei Stunden und wurde nie langweilig. Viel Applaus für einen professionellen Künstler, der eine große und abwechslungsreiche Show nach Kassel brachte.

Von Andreas Köthe

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