Li-An Liang stellt Fotografien im Kunsttempel aus

Sehnsucht nach Glück

Fiktives Wohnzimmer: Li-An Liang präsentiert ihre Fotos zwischen Samt-Sofa und Häkeldeckchen. Fotos:  De Filippo

Kassel. Der Kunsttempel an der Friedrich-Ebert-Straße ähnelt zurzeit mehr einem Wohnzimmer als einem Ausstellungsraum. Für die Präsentation ihrer Examensarbeit hat Li-An Liang den Ort in ein fiktives Zuhause verwandelt.

In einer Ecke steht ein Sofa mit grünem Samtbezug. Auf einem Tisch sind Häkeldeckchen und Blumen arrangiert, und eine altmodische Stehlampe beleuchtet die Szenerie.

Wer die aktuelle Ausstellung im Kunsttempel betritt, findet sich in einer ebenso gemütlichen wie seltsamen Wohnsituation wieder. Überall sind Andenken zu sehen: Kinderfotos, ein silberner Schuh, Nippes. Erinnerungsstücke, die einen Einblick in das Leben einer unbekannten Person geben.

Li-An Liang schafft mit dieser fiktiven Wohnsituation einen spannenden Bezug zu ihrer eigentlichen Arbeit. In Fotografien thematisiert sie das Leben einer geschiedenen Frau und greift zugleich die Vergangenheit ihrer eigenen Mutter auf.

Die Sehnsucht nach Glück und Geborgenheit spielt dabei ebenso eine Rolle wie Einsamkeit und das Festhalten an Erinnerungen.

So zeigt eines der Bilder rote Schuhe, die in ebenfalls rotem Seidenpapier sorgsam verpackt wurden - als wolle man einen Moment konservieren. Auf einem anderen Foto ist eine Krawatte zu einem Kranz gebunden. Wie ein Symbol des feierlichen Gedenkens.

Aber auch mit Fragen der kulturellen Identität beschäftigt sich die Fotokünstlerin. Sie selbst wurde in Taiwan geboren und lebt seit sechs Jahren in Deutschland: Sie führt ein Leben zwischen zwei Welten.

Eines der Bilder zeigt eine Frau, die auf dem Boden liegt. Ein seidener Stoff mit Blumenmuster bedeckt ihren Körper. Nur ihre Haare und eine Hand sind zu sehen. Ruht sie sich aus, oder will sie ihrer eigenen Kultur entfliehen? Diese Doppeldeutigkeiten sind es, die die Arbeit von Li-An Liang so interessant machen.

Bis 22. Juli, Kunsttempel, Friedrich-Ebert-Straße 177, Do bis So 15 bis 18 Uhr sowie n. V., Tel. 0176/23849965.

Von Pamela De Filippo

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