Eine Kasseler Inszenierung vertritt Deutschland bei der Eröffnung der Architekturbiennale in Venedig

Das Sehnsuchtsspiel der Architekten

Proben für Venedig: Von links David Bargiel, Architekt Dr. Marc Kirschbaum, Sebastian Rückert und Alexandra Desoi. Foto: Weisker

Kassel / Venedig. „Die Freiheit der Sehnsucht“ heißt eine erzählerische Inszenierung aus der Feder des Kasseler Architekten und Uni-Assistenten Dr. Marc Kirschbaum, die am Samstag bei der Architekturbiennale in Venedig Premiere feiert. Konzipiert hat Kirchbaum den literarischen Bilderbogen zu Schlüsselpositionen der Architektur zusammen mit seinem Kollegen Andreas Denk (Bonn/Berlin) - Chefredakteur der BDA-Zeitschrift „der architekt“.

Die Performance mit den Kasseler Jungschauspielern David Bargiel, Alexandra Desoi und Sebastian Rückert greift einen uralten Menschheitstraum auf: die Sehnsucht nach einem harmonischen Zusammenspiel von Natur, Grundbedürfnissen des menschlichen Lebens und Architektur. Schutz vor den Urkräften der Natur ist ein Grundmotiv des menschlichen Lebens und Bauens. Schon das Budebauen kleiner Kinder spiegelt die tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit in einer unbehausten Welt wider.

Der Bilderbogen der beiden Architekturtheoretiker Kirschbaum und Denk greift das Leitthema des deutschen Pavillons „Sehnsucht“ auf. Mit erzählerischen wie schauspielerischen Mitteln soll eine Brücke geschlagen werden zwischen der poetischen Weltsicht der Romantik und den drängenden Problemen von Städtebau und Baukultur in der Gegenwart.

Dazu werden Originaltexte etwa von Karl Friedrich Schinkel, Henry David Thoreau, Martin Heidegger und Ralph Stern zu fiktiven Dialogen zwischen unterschiedlichen architekturtheoretischen Positionen zusammengefügt.

Ein spielerischer Streifzug, der Kirschbaum zufolge von einer Leitidee getragen wird, die sich als Appell an die Entwerfer der Gegenwart richtet: Nur mit Herz und Verstand, in der Verbindung von Realitätssinn, Idealismus und Utopie lassen sich die Städte der Zukunft so einrichten, dass wir von einer neuen Harmonie menschlicher Lebensbedürfnisse, baulicher Ästhetik und Natur träumen dürfen.

Bis zuletzt haben die Co-Autoren mit den Schauspielern in Kassel an den fünf Akten plus Prolog und Epilog geprobt, an den Texten gefeilt. Ein bisschen Nervosität bleibt, der inszenierte Bilderbogen hat auch bei seiner Uraufführung noch experimentellen Charakter.

Absolutes Neuland betreten die Akteure jedoch nicht: Als Vorbild dient ihnen das Hörspiel „Architektur unplugged“. Damit hatte Kirschbaum im Dezember 2008 zusammen mit Studenten neue Wege der Architekturvermittlung an Laien erprobt. Kirschbaum: „In der Szene hat dieser innovative Ansatz für so viel Aufsehen gesorgt, dass der BDA mit der Biennale-Einladung an uns herangetreten ist.“

Diese Einladung empfindet Kirschbaum als große Ehre: „Schließlich handelt es sich bei der Biennale um das weltweit bedeutendste Architektentreffen.“

Von Albrecht Weisker

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