Ein wunderbarer Theaterabend: „Orpheus und Eurydike“ im Staatstheater Darmstadt

Das sehnsuchtsvolle Lieben

Zauberhaft: Wencke Kriemer de Matos (von links), Erica Brookhyser (Orpheus), Eszter Kozár, hinten Peter de Grasse. Foto: Aumüller

Darmstadt. „Orpheus und Eurydike“ steht zurzeit im Staatstheater Darmstadt als Gemeinschaftsarbeit Christian W. Glucks und Ramiero de Calzabigis in der Wiener Fassung von 1762 als Reformoper auf der Bühne, in der sie den tragischen Inhalt des Mythos von nebensächlichen Figuren und Überflüssigkeiten befreiten, sich auf drei Personen beschränkten und den Inhalt herausschälten: Die Idee einer unverbrüchlichen Liebe, die über den Tod hinausgeht.

Die poetisch-utopische Version hat selbst in unserer nüchternen Zeit nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Dass die Inszenierung in Händen einer Frau liegt, erweist sich als glücklich: Ballettdirektorin Mei Hong Lin hat ein Händchen fürs Musiktheater und ist durch sublime, gründliche Arbeitsweise bekannt. Sie bringt Tanz und Seelendrama aufs Glücklichste in Einklang und beschert in Dirk Hofackers zauberhaften Bildern einen wunderbaren Theaterabend, der im Gedächtnis bleiben wird: im ersten Akt einen schwarzen Raum mit blumengeschmücktem Grabhügel im Zentrum und blühendem Lavendelfeld im Hintergrund als Ort ungetrübter Freuden. In feurigem Rot und Schwarz leuchtet das Totenreich, in das Orpheus hinabsteigt, um Eurydike herauszuholen. Von Licht durchflutet präsentieren sich in zartem Pastell die Gefilde der Seligen, in dem sich die Schemen traumverloren im Tanz wiegen.

Bestens besetzt sind die Rollen der Protagonisten, die der auf Verzierungen verzichtenden Musik Glucks von klassizistischer Einfachheit überzeugend gerecht werden - ebenso wie das unter Martin Lukas Meister tongenau spielende Staatsorchester, das ausgezeichnete Tanz-Ensemble und der von Andre Weiß zuverlässig einstudierte Chor.

Erica Brookhyser gibt dem göttlichen Sänger Orpheus mit warm getöntem Mezzo auch gestisch und tänzerisch glaubhafte Statur und Ausstrahlung, Susanne Serfling gefällt mit ihrem klaren, hohen Sopran als sehnsuchtsvoll-liebende Eurydike, Aki Hashimoto gibt Amor Charme, Grazie und Quirligkeit. Am Ende regnet es Rosenblüten, und das entzückte Publikum spendet begeisterten Beifall.

Wieder am 13., 27.4. 5., 13.5., Tel. 06151/2811600, www.staatstheater-darmstadt.de

Von Britta Steiner-Rinneberg

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