Bariton Stephan Genz über das HNA-Sommer-Open-Air und weitere Auftritte in Kassel

Interview: Bariton Stephan Genz über das HNA-Sommer-Open-Air

Kassel. Auch in diesem Jahr wird beim HNA-Sommer-Open-Air-Konzert des Kasseler Staatsorchesters ein Stargast auf der Bühne stehen: der international gefragte Bariton Stephan Genz. Wir erreichten ihn telefonisch in seiner Heimatstadt Leipzig.

Herr Genz, Sie werden am Samstag vor Tausenden Menschen in einem Open-Air-Konzert singen. Ist so ein Auftritt für Sie etwas Besonderes oder eher Routine?

Stephan Genz: Open-Air-Konzerte habe ich natürlich bei diversen Sommerfestivals schon gemacht. Aber dieses Konzert in Kassel soll etwas ganz Besonderes sein - auf einer Wiese mit einer wunderschönen Kulisse. Stimmt das? So etwas ist natürlich nicht Routine.

Das stimmt absolut. Das Konzert findet vor der Kulisse der Orangerie der Karlsaue, einer wunderschönen barocken Parkanlage, statt.

Genz: Na wunderbar, ich freue mich darauf.

Wie kam der Kontakt mit dem Kasseler Generalmusikdirektor Patrik Ringborg zustande?

Genz: Ich habe einen sehr guten Kontakt zu der Familie Scheuch vom Bärenreiter-Verlag. Sie baten mich, doch mal in Kassel zu singen. Und bei den letzten Kasseler Musiktagen war es dann so weit. Ich haben mit Patrik Ringborg und dem Staatsorchester Mahlers Wunderhorn-Lieder gemacht. Und dann fragte mich Ringborg einige Zeit später, ob ich nicht eine Papageno-Arie singen wollte. Und das ist nun wirklich eine meiner Leib-und- Magen-Rollen.

Sie werden aber den Boni singen aus der Csárdás-Fürstin - „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“. Ist das Ihr Genre?

Genz: Ich muss zugeben, dass ich das nicht kannte. Aber als ich mir das anhörte, dachte ich: Sehr hübsch, das singe ich gern mal. Es sollen ja drei sehr hübsche Damen dabei sein.

Was für ein Verhältnis haben Sie zur Operette?

Genz: Die Operette wird oft unterschätzt. Dabei ist sie oft richtig schwer, aber sehr befriedigend zu singen. Ich habe früher in Paris gelegentlich Operette gesungen und wollte schon immer mal den Danilo aus der „Lustigen Witwe“ singen. Aber bisher wurde ich nicht gefragt. Es ist so im Musikgeschäft. Die meisten wollen von einem das hören, was sie schon kennen.

Man kennt Sie besonders als Liedsänger. Wie kam es dazu?

Genz: Das Lied war immer meine musikalische Heimat. Ich habe ja sehr jung angefangen, Gesang zu studieren. Und mit achtzehn können sie noch keine schweren Opernpartien singen. Die Lieder haben mit sehr gut getan. Dann habe ich einige Wettbewerbe gewonnen und Aufnahmen gemacht. Und das hat sich fortgesetzt. Heute sind Oper und Lied etwa gleichgewichtig verteilt.

Sie singen viel an Opernhäusern in Italien, Frankreich und der Schweiz, weniger in Deutschland. Warum?

Genz: Ich bin regelmäßig in Venedig am Teatro de Fenice und singe generell sehr gern in Italien. Allerdings haben dort viele Opernhäuser große finanzielle Probleme. Im Übrigen singe ich auch immer wieder regelmäßig in Deutschland, zum Beispiel in Berlin, Hamburg und Dresden. Aber für mein Stimmfach, den lyrischen Bariton, engagieren deutsche Opernhäuser eher selten Gäste. Diese Rollen besetzen sie meist aus ihrem Ensemble.

Werden Sie auch künftig wieder in Kassel singen?

Genz: Im kommenden Mai werde ich im Sinfoniekonzert in Kassel die vier Lieder für tiefe Stimme und Orchester von Henri Duparc singen. Ich hoffe, dass ich noch viel mit Patrik Ringborg zusammen machen kann. Er ist ein außergewöhnlicher Dirigent, und Kassel hat auch ein sehr gutes Orchester.

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