Apostel-Fresken und Gegenwartskunst im Arp Museum Rolandseck in Remagen

Mit Seife und Pferdehaar

Gegensätze: Heike Weber hat einen ornamentalen Teppich aus Silikon ausgelegt - im Hintergrund zwei der zwölf Apostel aus dem Dom in Speyer, aufgetragen auf Glasseide. Fotos:  Arp Museum

Remagen. Vor 50 Jahren empfand man sie als religiösen Kitsch - unerträglich in der romanischen Schlichtheit des Speyerer Doms. Bei einer Sanierung wurden die farbenprächtigen Fresken abgenommen, die der Münchner Maler Johann von Schraudolph (1808-1879) 1843 geschaffen hatte - beauftragt vom bayerischen König Ludwig I. Manche Teile der 10 000 Quadratmeter umfassenden Innenausmalung wurden zerstört, andere landeten im Depot.

Erstmals seit 1960 sind die vier Meter hohen Fresken der zwölf Apostel, die die Krönung Mariens über dem Hauptaltar der Apsis umrahmten, zu sehen - im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen. Restaurator Vitus Wurmdobler hat die abgelösten, dünnen Farbschichten seit den 80ern konserviert und in einem eigens entwickelten Verfahren auf Glasseide aufgetragen.

Konfrontiert sind die Stoffbahnen im lichtdurchfluteten Neubau von Stararchitekt Richard Meier mit zwölf Werken von Künstlerinnen der Gegenwart, die ihnen eigene Positionen entgegenstellen. „Die Eroberung der Wand“ heißt die Schau, bei der weniger der religiöse Gehalt - Schraudolph gehörte der romantisch-idealisierenden Kunstrichtung der Nazarener an - als die Wand als Bildträger im Zentrum steht. Wobei die Künstlerinnen Säulen, Boden und Fenster einbeziehen, mit Video, Tätowiermaschine, Computer arbeiten.

Christiane Löhr hat eindrucksvolle filigrane Gewebe aus Pferdehaar geschaffen, die wie Zeichnungen aussehen. Fides Becker nimmt in ihrem illusionistischen Gemälde die Architektur des historischen Bahnhofs Rolandseck auf, Heike Weber hat einen gigantischen, ornamentalen Teppich aus Silikon ausgelegt. In Johanna Reichs Videoprojektion scheint die Wand in Flammen zu stehen, Karin Sander beschreibt sie mit Programmierbefehlen. Franziska Nast, die bei der Vernissage Schweinefleisch tätowierte, hat Text und Bilder in eine Säule gestochen, darunter Tagebucheinträge eines Tätowierers, in denen auch Kassel vorkommt.

Dorothee von Windheim, lange Jahre Professorin an der Kasseler Kunsthochschule, fragt nach dem wahren Bild (Vera Icon). Sie hat für ihre Installation Augenpaare aus Darstellungen des Schweißtuchs der Veronika auf Gaze übertragen. Die schönste Arbeit stammt von Sonja Alhäuser, die auch für wunderbare, kunstvoll aus Lebensmitteln arrangierte Skulpturen zum Essen bekannt ist. Sie hat die Kräuter auf den Apostelfresken zum Leben erweckt: Der Besucher taucht die Hand in ein Wasserbecken und reibt sie auf ihrem Gemälde - Seife und ätherische Öle duften nach Lavendel oder Zitronenmelisse.

Bis 9. September, Tel. 02228/94 25-0, www.arpmuseum.org

Von Mark-Christian von Busse

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