Mehr als 30 Jahre war Manfred Schmidt an der Kasse des Staatstheaters – Jetzt geht er in den Ruhestand

Auf sein Urteil verlassen sich die Leute

Gesicht des Theaters: Manfred Schmidt an der Kasse. Foto: Klinger

Kassel. Wenn Manfred Schmidt von den mehr als 30 Jahren Tätigkeit an der Kasse des Staatstheaters spricht, dann kommt irgendwann die Rede auf den früheren Chefdramaturgen Hans Joachim Schaefer. Ein lebendes Theaterarchiv sei Schaefer gewesen, sagt Schmidt. Er könnte dasselbe auch über sich selbst sagen, denn kaum jemand dürfte in den letzten Jahrzehnten so viele Theater-Inszenierungen erlebt haben wie Schmidt.

Wenn der gebürtige Münchner, der seit 1955 in Kassel lebt, am Ende dieses Monats seinen Ruhestand antritt, dann wird dieses Wissen vielen Theaterbesuchern fehlen. Denn Schmidt, der im Juli 66 Jahre alt wird, verkauft nicht nur Theater- und Konzertkarten, sondern er steht den Besuchern des Staatstheaters auch mit Rat und Tat zur Seite. „Die Leute wollen wissen, was ist das für eine Aufführung“, sagt Schmidt, „und sie verlassen sich auf das, was man ihnen sagt.“

Angefangen hat das mit dem Theater bei Schmidt Anfang der 80er-Jahre. Nachdem er ein Lehramtsstudium abgebrochen hatte – „das war für mich nicht das Richtige“ – fing er als Bühnentechniker an, zunächst als Aushilfe, dann mit fester Stelle. Nach einer Phase in der Registratur trat er 1984 seine Stelle an der Theaterkasse an – als Nachfolger von Ilse Pappermann.

Eine illustre Reihe von Intendanten hat er erlebt: Ganz zu Anfang er bekam er noch die turbulente Phase von Gian-Carlo del Monacos Intendanz mit („seine Inszenierungen waren Weltklasse“), es folgten Manfred Beilharz, Michael Leinert, Christoph Nix und Thomas Bockelmann. Einzelne Inszenierungen hebt er ungern hervor, erwähnt dann aber doch den Schoenbohm-„Ring“ (1983-86), Jürgen Schwalbes „Black Rider“ von 1996 („sprühte vor Ideen“) und auch Gabriele Rechs „Don Carlo“, mit dem 2004 das Theaterzelt auf dem Friedrichsplatz eröffnet wurde.

Von den Künstlern, die Schmidt am Theater kennengelernt hat, beeindruckte ihn ganz besonders Hildegard Behrens. Die große Wagner-Sängerin bestätigte mit ihrem sympathischen Auftreten seine Erfahrung: „Je besser jemand ist, desto weniger hat er es nötig, Allüren an den Tag zu legen.“

Wenn er am 30. April seinen Platz an der Kasse seinem Nachfolger Markus Hellwig überlässt, will sich Schmidt noch mehr um sein Enkelkind kümmern. Außerdem will der Vater zweier Töchter und eines Sohnes mit seiner Partnerin, der früheren Staatstheater-Tänzerin Dorota Abramowicz, einige Reisen machen. New Orleans ist ein Traumziel, vor allem wegen der Musik. Auch andere Städte besucht Manfred Schmidt gern. Und er kann’s nicht lassen: „Als Erstes sehe ich mir immer das Theater an.“

Von Werner Fritsch

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