Reinhard Doubrawa, Stephen Marsden und Peter Morrens stellen bei Melchior aus

Seine liebsten Gegensätze

Geteilte Wirklichkeit: Die Künstlerkollegen (von links) Stephan Mardsen, Reinhard Doubrawa und Peter Morrens. Foto: nh

Kassel. Nein, dieser Künstler wollte nicht allein ausstellen. Er erbat sich das Zusammenspiel mit zwei Künstlerkollegen. Er nennt sie seine „liebsten Gegensätze“, weil der eine penibel und mit einem rigiden Konzept an seine Skulpturen herangeht, der andere aus einem irrlichternden spontanen Schaffen schöpft. Reinhard Doubrawa hat den in Frankreich lebenden Briten Stephen Marsden und den in Gent arbeitenden Peter Morrens zu seiner Ausstellung in die Galerie Melchior eingeladen.

Der in Treysa geborene Doubrawa, der an der Kunsthochschule Kassel studiert hat, kehrt anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Galerie nach Kassel zurück. In seinen leisen, fragilen Installationen und Bildern reflektiert er unsere Informations- und Unterhaltungswelt: Aus unterschiedlich groß gelochten, bemalten Folien schälen sich zwei zarte Porträts aus Pink und Grün heraus, dann wieder trägt ein architektonisches Gebilde aus Holz den Schriftzug „Bang Bang“ und lässt Assoziationen an Hollywood aufkommen.

Doubrawas Arbeiten sind komplexe Erkundungen einer Medien-Welt, denen die Werke seiner Kollegen neue, überraschende Akzente hinzufügen. Stephen Marsdens weiße Skulpturen im Raum sind überwiegend aus Kondomen geschaffen. Deren Weichheit und Flexibilität nutzt der Bildhauer, um ungewöhnliche Formen, wie das aus der Wand ragende Flugzeug oder ein rundlich in der Hand liegendes Telefon, zu gestalten, bevor er die Arbeiten mit Gips ausgießt. Seine amorphen Formen erinnern an Hans Arp, lassen aber in ihren Deutungen eine humoristische Komponente zu.

Nichts scheint, wie es ist: Daneben setzt der überwiegend mit Fotografien arbeitende Morrens seine Arbeiten im Stil einer vielfältig schillernden „Combinazione“: Aufgeschnittene Fotografien, die plötzlich eine Dreidimensionalität erhalten oder eine als Malerpalette inszenierte weibliche Brust verblüffen den Betrachter. Teilen wir uns die Wirklichkeit, ein Sprachbild Doubrawas aus Blattsilber auf Büttenpapier kann für vieles in dieser Ausstellung stehen.

Bis 24.6., Terrasse 15, Mi, Do 15-18 Uhr, n. V.: Tel. 0561/16730.

Von Juliane Sattler

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