Seine Lieder machen Mut: Konstantin Wecker beim Sommer im Park

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Er lebt seine Musik: Konstantin Wecker in Vellmar. Foto: Schachtschneider

Vellmar. Musik kann verzaubern, emotionalisieren, aufwecken und zum Träumen anregen. Zumindest dann, wenn ihr Erschaffer sie selbst lebt, ob gefühlvoll und leise oder mit brachialer Gewalt. So, wie es Konstantin Wecker seit nunmehr 40 Jahren tut. Er liebt eben, was er tut, und das spüren seine Zuhörer am Sonntagabend beim Festival Sommer im Park von der ersten Sekunde an.

„Wenn ich spiele, bin ich fast immer wieder der kleine Junge, der mit seiner Stimme auf einer Leiter in den Himmel hinaufklettert und wie in dem Märchen mit dem Menschen fressenden Riesen dann dort auch auf Monster trifft“, liest er aus seinem Buch „Mönch und Krieger“, das einen ganz neuen, auf spiritueller Suche befindlichen Wecker zeigt.

Er hoffe, sein Publikum mitnehmen zu können, sagt er, auf die Reise ins Unerklärliche, Wunderbare, Geheimnisvolle. Es gelingt ihm, und das nicht nur, wenn er „den grausamen Choral von der Ungerechtigkeit der Welt und die überirdische Melodie von der Zärtlichkeit des Daseins“ schmettert.

Auch gänzlich unpolitische Liebeslieder des 67-Jährigen treffen im ausverkauften Zelt mitten ins Herz, etwa wenn er mithilfe seiner fantastischen Begleitband das eigentlich für Senta Berger geschriebene „Fliegen mit Dir“ in den Zelthimmel schickt.

Den kräftigsten Applaus aber erhält er, wenn er mit der aktuellen Politik abrechnet, Bundespräsident Gauck zur „Worthülse im Patronengürtel der Kanzlerin“ werden lässt, zu deren 60. Geburtstag er „komischerweise“ nicht eingeladen war, obwohl er ihr doch so ein schönes Lied geschrieben hat: „Das Lächeln meiner Kanzlerin raubt mir den Verstand.“

Er glaube an Deutschland, singt er, und bricht eine Lanze für die Kraft der Utopie, für das Aufstehen gegen Ungerechtigkeiten. Wenn er dabei als „alter Sack“ gelte, der von moderner Musik keine Ahnung habe, stört es weder ihn noch seine treue Anhängerschar. Warum auch, machen seine Titel doch Mut „zwischen Zärtlichkeit und Wut“.

Von Sascha Hofmann

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