Neues Album „Auf den Kopf gestellt“ in Kassel vorgestellt

Roland Kaiser im HNA-Interview: Seine Welt ist nicht nur rosarot

Kassel. „Ich trete an, um Menschen zu unterhalten“, sagt Roland Kaiser. Er will Denkanstöße geben, vor allem aber sollen die Besucher seiner Konzerte mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Mit seiner neuen CD „Auf den Kopf gestellt“ kam der 63-Jährige zum Redaktionsbesuch.

Wir stellen das neue Album von Kaiser anhand von Songtiteln vor:

Auf den Kopf gestellt

Darum sollte sich die Platte drehen: Um Geschichten, bei denen sich plötzlich alles ändert. Kaiser lud Komponisten und Texter ein, sich dazu Gedanken zu machen. 100 Songs bekam er zur Auswahl, die auf 40 und später 15 reduziert wurden. Mithilfe seines Koproduzenten Peter Wagner und der Plattenfirma gab es ein Voting wie beim Songcontest, erzählt Kaiser. Bei Gleichstand zählte seine Stimme doppelt – wenn etwas schief läuft, wolle er auch selbst dafür geradestehen.

Das Beste am Leben

Stellt sein neues Album vor: Roland Kaiser im HNA-Interview.

So lautet die Single-Auskopplung. „Sei bereit auf alles, was neu beginnt“, singt Kaiser über den perfekten Augenblick: „Wie werden heute unsterblich sein, jetzt ist Zeit für Unendlichkeit.“ Die Grundstimmung der Platte ist optimistisch – das entspricht Kaisers Lebenssituation. Nach einer Lungentransplantation 2010 fühlt er sich heute gesund. Kann man immer wieder von vorn anfangen, das Ruder stets rumreißen? Das finde er zu oberflächlich, so der Sänger. Aber wer eine positive Einstellung habe, habe in kritischen Situationen eine bessere Chance. Er selbst sei vor der OP oft aufgeregter und nervöser gewesen: „Ich habe die Dinge anders zu gewichten gelernt.“

Herzbeben

Natürlich geht es in den üppig arrangierten Rock-Pop-Schlagern und Balladen von Altmeistern wie Nino de Angelo und jungen Songschreibern wie Matthew Tasa, der für Xavier Naidoo gearbeitet hat, überwiegend um die Liebe. Aber mit einem Reifegrad, wie Kaiser formuliert. Wenn er über die erste Liebe singen würde, dächten seine Fans: Jetzt hat er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Eher singt Kaiser über die zweite Chance.

Applaus für deine Lügen

„Alles nur inszeniert“, heißt es in diesem Lied über eine Liebe, für die „der Vorhang fällt“. Kaiser geht es um Realitätsnähe und Glaubwürdigkeit. Er malt die Welt nicht rosarot. Abschied und Verlust sind Themen. „90 Prozent der Weltliteratur drehen sich darum, wie Liebe funktionieren kann“, sagt Kaiser, „aber keiner hat ein Rezept. Ich auch nicht.“ Nach Konzerten versuche er, sich schnell zu erden: „Ich bin nicht so wichtig wie der letzte Beifall.“ Unserem Fotografen erklärt er: „Ich pose nicht.“

Und wenn dein Name Leila wär

Probleme lösen könne man in Songs nicht, sagt Kaiser, aber Fragen stellen. „Wie würde ich reagieren?“, überlegt er in diesem Lied, das aus dem Album heraussticht – wenn sein Sohn sich in ein Mädchen aus einem nichtdeutschen Kulturkreis verlieben würde.

Schlagzeilen machte Kaiser, als er sich Anfang 2015 bei einer Anti-Pegida-Demo in Dresden für Toleranz stark machte. Er fand, das sei er der Stadt schuldig, von der ein Zerrbild gezeichnet worden sei. Er empfindet es als seine „Pflicht“, sich zu äußern – Gegenwind zum Trotz: „Wenn ich mein Leben von irgendwelchen Shitstorms abhängig machen würde, wäre ich arm dran.“ Er sei stolz, in einem Land zu leben, das Flüchtlinge menschenwürdig aufnehme: „Wenn wir unsere Kultur als christlich begreifen, muss sie geprägt sein von Barmherzigkeit und Nächstenliebe.“

Roland Kaiser:  Auf den Kopf gestellt (Ariola/Sony).

Wertung: vier von fünf Sternen

Zur Person:

 Der 63 Jahre alte gebürtige Berliner Roland Kaiser gehört zu den festen Größen im Schlagergeschäft. Hits wie „Joana“, „Sieben Fässer Wein“ und „Santa Maria“ sind Klassiker des Genres. Laut seiner Plattenfirma hat Kaiser 90 Mio. Tonträger verkauft, er ist der Sänger mit den meisten Auftritten in der ZDF-Hitparade. 2010 hatte der in dritter Ehe verheiratete dreifache Vater eine Lungentransplantation. 2013 spielte er im „Tatort“ aus Münster, wo er auch lebt, den Schlagerstar Roman König. Die 50.000 Tickets für seine traditionellen „Kaisermania“-Konzerte in diesem Sommer bei den Dresdner Filmnächten sind bereits verkauft. Kaiser ist für 14 soziale und karitative Einrichtungen engagiert.

Rubriklistenbild: © Lothar Koch

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