Grafiker und Künstler: Norbert Städele stellt Zeichnungen im Kreishaus aus

Seine Welt aus Strichen

Strandburg auf Amrum: Mit Grafit und Buntstift bannte Norbert Städele in „Ömrang West“ eine besonders durch ihre Farbwirkung atmosphärisch dichte Strandszene auf Karton. Foto: Müller

Kassel. Wie gut, dass sein Onkel Kalenderblätter für ihn sammelte. Ohne sie hätte Norbert Städele (62) mit acht Jahren vermutlich nicht seine ersten Gehversuche in die Welt des Zeichnens unternommen. Nicht die Bilder waren es allerdings, die ihm hierzu dienten, sondern deren weiße Rückseiten, die der Fuldataler bemalte. Mittlerweile ist aus dem Jungen von einst ein etablierter Grafiker, Künstler und Dozent geworden. Derzeit stellt er 30 seiner Werke unter dem Titel „Linie – Fläche – Farbe“ im Kasseler Kreishaus aus.

Städele sieht sich als Gestalter im Bereich visueller Kommunikation – in seinem Beruf als Grafiker wie auch als Künstler. Als Ausdrucksform hat er das Zeichnen gewählt. „Ich kann damit Dinge transportieren, die man sonst nicht vermitteln kann“, sagt er. Dennoch entschied er sich gegen ein Kunst- und für ein Grafikstudium. „Vielleicht fehlte mir damals der Mut.“ Er folgte dem Rat der Eltern und lernte „erstmal etwas Vernünftiges“.

So ließ er sich nach dem Studium als Grafiker in Kassel nieder. Die künstlerische Arbeit verlor er dennoch nie aus den Augen. „Meine erste Ausstellung, in der ich bewusst als Künstler auftrat, war 1974 die ,Große Schwäbische Kunstausstellung’ in Augsburg.“ Mittlerweile hat er unter anderem in Kassel, Frankfurt, Erfurt und St. Petersburg ausgestellt.

In seinem künstlerischen Wirken pendelt Städele zwischen Naturalismus und Abstraktion. Die Themen, die er dabei verarbeitet: „Die finde ich auf der Straße – oder daneben.“ Politisches, Biografisches, all das inspiriert ihn.

Gleich mehrere Motive entnahm er etwa seiner Nachbarschaft. In „Nachbar Schade“ bannte er einen schmerzhaften Generationenwechsel auf einem Hof in eine Bleistiftzeichnung. Auch mit Szenen an der Fulda setzte er sich auseinander. Aus der Nähe betrachtet präsentieren sich diese Bilder als Gemenge wild hingeworfener Striche in zahlreichen, kräftigen Kreuzlagen. Je weiter man sich jedoch von ihnen entfernt, desto deutlicher verbinden sie sich zu einer geschlossenen, wirklichkeitsnahen Komposition.

Bewusst löst sich Städele in anderen Arbeiten von der konkret realistischen Wirkung und wendet sich dem großen, gestischen Zeichnen zu. Dann arbeitet er mit mal heftig, mal leicht aufgetragenen, schwungvollen Bögen, die den Blick noch stärker auf Stimmungen und Farbwirkungen lenken.

„Linie – Fläche – Farbe“ in der Reihe „Artists in Residence“, Kreishaus, Wilhelmshöher Allee 19 bis 21, bis 30.12., Mo-Do 8-17 Uhr, Fr 8-16 Uhr.

Von Alexandra Müller

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