Ex-DSDS-Kandidat Tobias Regner moderiert Metal-Sendung bei Radio Bob in Kassel

Der stille Superstar mag laute Musik: Tobias Regner im Kasseler Studio von Radio Bob und (im kleinen Bild) nach seinem „DSDS“-Sieg 2006. Fotos: Fischer / dpa

Kassel. Tobias Regner wusste, dass ihn nicht alle mit offenen Armen empfangen würde, als er in der vergangenen Woche das Kasseler Studio von Radio Bob betrat. Uns hat er gesagt, warum nicht.

Die Mitarbeiter des hessischen Privatsenders, davon kann man ausgehen, freuten sich auf ihren prominenten Neuzugang, der nun jeden Montag von 20 bis 22 Uhr „Bobs harte Saite“ moderiert. Aber einige Hörer, mutmaßt Regner, werden sich gefragt haben, ob ein ehemaliger Sieger der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ der richtige Mann für eine Metal-Sendung ist. „Die hatten Schiss, dass es etwas weichgespült wird“, sagt der 27-Jährige.

Eine Sendung für Softies ist die erste Ausgabe mit Regner am Mikro nicht geworden. Er spielte knüppelharten Nu Metal von Slipknot und erzählte Wissenswertes über die US-Band. Beim Chatten nach Sendeschluss erhielt der Berufsneuling viel Lob.

Die Sendung ist eine gute Idee, weil diese Musik im Formatradio sonst keinen Platz mehr hat. Und auch Regner am Mikro könnte sich für Radio Bob als Glücksfall erweisen. Vor einigen Monaten stellte der gebürtige Oberbayer sein aktuelles Album im Studio am Ständeplatz vor, da merkten die Redakteure, dass ihr Gast nicht nur ein cooler Typ ist, sondern auch „unglaublich viel Ahnung hat von harter Musik“, wie Moderator Daniel Ebert sagt. Aber die Vorurteile, er sei nur der weiche Schmuserocker von Dieter Bohlen wird Regner nicht los, seit er im März 2006 zum Sieger der dritten „DSDS“-Staffel gekürt wurde.

Dabei ist der Sänger nicht das typische Casting-Sternchen. Schon mit fünf Jahren erhielt er Klavierunterricht. Bei „DSDS“, findet der Sänger, hat er die Zuschauer mit der Musik überzeugt und nicht mit „Krawall-Storys aus der Bild-Zeitung“, wie es zuletzt üblich war. Die jüngste Staffel hat er nicht mehr verfolgt.

Im Frühjahr erschien das zweite Album des Wahl-Kölners. Die Verkaufszahlen von „Kurz unsterblich“ seien „noch ausbaufähig“, sagt Regner, der 2006 mit seinem Debüt noch Rang eins in den Charts belegt hatte. Bis vor kurzem hatte er nicht mal eine Agentur, die ihm Auftritte besorgt. Regner spielte kaum live, was in Zeiten sinkender CD-Verkäufe das Wichtigste ist. Zwischendurch überlegte er, wieder als Grafiker zu arbeiten. „Ich hatte ganz schöne Durchhänger“, sagt er.

Bohlen findet er nicht lustig

Wenn man ihn fragt, ob er noch einmal alles so machen würde, antwortet er: „Nein.“ Dann überlegt er und sagt: „Aber dann würden wir jetzt auch nicht miteinander reden.“ An Regner kann man sehen, wie das Prinzip Casting funktioniert: Erst geht es steil bergauf, und dann ist man ständig auf der Flucht vor seiner Vergangenheit - überall wo der vielseitige Musiker Regner auftaucht, ist das Bild vom Schmuserocker Regner schon da.

Als solchen verkaufte ihn Dieter Bohlen während der dritten Staffel. Nach dem Finale ist Regner dem „DSDS“-Juror nicht mehr begegnet. Schon während der Show sprachen die beiden kaum miteinander. Heute sagt Regner über Bohlen, dass er „Unterhaltung auf Schulbankniveau“ mache - „wie der böse Bube in der letzten Reihe, der die anderen verarscht, und die Leute finden es lustig.“

Regner findet es nicht lustig. Er redet auch nicht mehr über sein Privatleben. Nich mal, ob er eine Freundin hat, verrät er. Er ist ein stiller Superstar, der laute Musik mag und mit seinen alten Kumpels aus der Heimat eine Metallica-Cover-Band hat. Während seiner ersten Sendung bei Radio Bob hat er festgestellt, dass man „nicht zu viel labern darf“. Von Bohlen kann er die Weisheit nicht haben.

Bobs harte Saite: montags, 20 Uhr, Radio Bob (UKW, 99,4 MHz und 88,4, www.radiobob.de).

Von Matthias Lohr

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