Interview: Bundeschorleiter Karl-Heinz Wenzel über Lust an Weihnachtsliedern und die Praxis von Chören

„Selbermachen ist das A und O“

Von traditionell bis modern: die Sängerinnen des Frauen-Vokalensembles „On ArpoS“ Wickenrode, das am Adventskonzert von Mitteldeutschem Sängerbund und HNA mitwirkt. Rückwärts gelesen, ergibt der Ensemblename das Wort „Soprano“. Foto: privat/nh

Kassel. Die HNA-Aktion, bei der Leser ihre liebsten Volkslieder wählen konnten, stieß auf überwältigende Resonanz. Um die Volkslieder auch zum Klingen zu bringen, veranstaltet die HNA mit dem Mitteldeutschen Sängerbund (MSB) eine Reihe von Chorkonzerten mit Volksliedern. Den Auftakt macht am 11. Dezember in Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) ein Adventskonzert. Wir sprachen mit dem MSB-Bundeschorleiter Karl-Heinz-Wenzel.

Herr Wenzel, auf Märkten und in Einkaufspassgen dudeln einem Weihnachtslieder zurzeit die Ohren voll. Hat man da überhaupt noch Lust, Weihnachtslieder zu singen?

Karl-Heinz Wenzel: Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was man so hört und dem Selbstmusizieren. Das bringt eine große Freude und übertönt die Geräuschkulisse der Adventswochen. Das Selbermachen ist das A und O.

Wo werden denn Weihnachtslieder vor allem gesungen? In Chören oder im privaten Kreis?

Wenzel: Über den privaten Kreis kann ich nicht viel sagen, aber ich weiß, dass sich viele Chöre bemühen, gute adventliche und weihnachtliche Konzerte anzubieten. Viele Chöre laden sich auch gegenseitig zu Konzerten ein, denn es steckt viel Arbeit in solchen Programmen.

Gibt es einen Trend, auch das Publikum singen zu lassen, so wie es beim Konzert von MSB und HNA in Witzenhausen der Fall sein wird?

Wenzel: Bei adventlichen Konzerten wird das schon angestrebt, bei anderen Chorkonzerten ist dies weniger der Fall. Bei Weihnachtsliedern haben wir auch schon Chor und Publikum im Wechsel singen lassen. Das kam sehr gut an.

Viele Weihnachstlieder haben ja eine Zwitterstellung zwischen Kirchenlied, also Choral, und Volkslied. Wie gehen Chöre damit um?

Wenzel: Der Begriff Volkslied ist sowieso nicht eindeutig. Es gibt die undatierbaren Lieder, die im Volk entstanden sind, und es gibt komponierte Lieder im Volkston. Und es gibt volkstümliche Kirchenlieder.

Verändert sich das Repertoire, schlägt heute „Jingle Bells“ die „Stille Nacht“?

Wenzel: Ein guter Chorleiter wird eine möglichst große Bandbreite an Repertoire bringen. Dazu gehören auch internationale Weihnachtslieder - wir haben beispielsweise auch schon italienische Lieder in der Originalsprache gesungen. Aber auch experimentelle Weihnachtslieder können interessant sein, je nachdem wie ein Chor gestrickt ist.

Können Sie den Eindruck bestätigen, den die HNA mit ihrer Volkslied-Aktion gewann, dass Volkslieder insgesamt wieder im Kommen sind?

Wenzel: Ich glaube, ja. Das spiegelt sich überall wider. Viele Chöre haben ja nie aufgehört, Volkslieder zu singen. Chöre und Chorleiter, die zukunftsorientiert sind, suchen heute auch nach modernen Sätzen und Arrangements, oder sie bauen szenische Elemente ein. Das heißt aber nicht, dass man „Ännchen von Tharau“ nicht auch ganz traditionell singen kann. Viele Chöre lieben übrigens besonders humorvolle Lieder. Rührseligkeit ist weniger gefragt,

Der Mitteldeutsche Sängerbund und die HNA veranstalten am Sonntag, 11. Dezember, 16 Uhr, in der Liebfrauenkirche Witzenhausen ein Adventskonzert mit Weihnachts- und Volksliedern. Es treten auf das Frauen-Vokalensemble „On ArpoS“ Wickenrode, Leitung: Sandra Batkowski, der Polizeichor Kassel, Leitung: Manfred Nemeth, sowie der Kinderchor „DoReMi“ Birkenbringhausen, Leitung: Karl-Heinz Wenzel. Eintritt: 10 Euro. Karten an der Abendkasse.

Von Werner Fritsch

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