Er selbst ist die Pointe: Komiker Johann König in Kassel

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Nach einem Jahr Pause wieder auf der Bühne: Komiker Johann König hatte Angst vor einem Burn-out, weil er so ein Kribbeln in den Kniekehlen spürte. Seine Fans spürten dagegen einen Lachanfall.

Kassel. Bei einer Kritik über ein Programm von Johann König bleibt die Unsicherheit, ob man seine Texte und Bühnenfigur in die richtige Schublade einordnet. So minimalistisch wie er seine Unterhaltungsbausteine portioniert, könnte das Meinungspendel in Richtung Flachschippenblödsinn ausschlagen.

Man könnte seine Kunst aber auch als gekonnt inszeniertes Spiegelbild unserer niederen Instinkte interpretieren.

Den Besuchern, die am Samstag für eine ausverkaufte Kasseler Stadthalle sorgten, dürften derlei Differenzierungen egal gewesen sein. Sie kamen, um zu lachen – und diese Erwartungshaltung löste der 40-Jährige voll ein. Er war der König, wie ihn seine Fans lieben. Mit seiner maskenhaften Mimik, dieser monotonen in die Höhe gepressten Stimme und Pointen, die klingen, als seien ihm keine eingefallen.

Ein Jahr Bühnenpause hat er eingelegt, wegen „Burn-out-Prophylaxe, weil ich in den Kniekehlen so ein Kribbeln spürte“. Aus dem Fenster gucken ist für König ergiebige Blödelsubstanz.

Da beobachtet er Hundebesitzer, die den Kot ihres Lieblings entsorgen, worauf er sich „immer sofort die Hände waschen geht“. Im Grunde alles keine Brüller, doch so dröge, wie König das bringt, macht er sie dazu. Manche lachten so laut, dass er den Gestörten spielt: „Ich kann so nicht arbeiten.“

Seine Gedichte sind im Grunde schon für eine Faschingsveranstaltung zu dürftig. Etwa: „Was kommt beim Essen unten raus? Fury in the Slaughterhouse.“ Warum schlägt sich das Publikum vor Vergnügen trotzdem auf die Schenkel? Weil dieser König selbst die Pointe ist. Je blöder der Text, umso besser.

Gleiches gilt für seine Lieder wie auch für seine Geschichten aus dem Alltag: „Ich kaufe nur in Biomärkten, weil dort die Tiere noch artgerecht, nämlich mit Pfeil und Bogen umgebracht werden.“ Zwischendurch spielt er Ausschnitte aus der Hörspielreihe „TKKG“ ab, drückt „Stopp“ und lässt abstimmen, wie der Text weitergeht. Kurz vor Schluss hat er keine Lust mehr, lümmelt sich auf einem Fell und fragt entsetzt: „So viel Zeit noch, was machen wir denn jetzt?“ Riesenapplaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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