Ausstellung zur Pfauenfederkommode in Schloss Wilhelmsthal

Prachtstück: Pfauen-Federkommode.

Calden. 1982, als Hanna Koch, Kuratorin einer kleinen aber exquisiten Ausstellung zur Pfauenfederkommode, geboren wurde, war das Luxusmöbel des Rokoko zum letzten Mal im Schloss Wilhelmsthal zu sehen. Dann wanderte es, weil in kritischem Zustand, ins Depot.

Knapp 30 Jahre später präsentiert Koch das restaurierte Prunkstück wieder im fürstlichen Ambiente.

„Mit fremden Federn“, bis 3. Juli, Di-So, Feiertage 10-17 Uhr. Eintritt frei. Infos: Tel. 05674/6898, www.museum-kassel.de. Führungen So, Feiertage, 14.30 Uhr. Nächste Themenführung: 24.4., 14.30 Uhr, Wilhelm VIII. und die Kultur des Rokoko.

Drei Jahrzehnte Restaurierungsgeschichte - schon das wäre Anlass einer Schau. Doch die Kommode aus der Zeit um 1755, die vermutlich schon zur Erstausstattung des Schlosses unter Landgraf Wilhelm XIII. gehörte, ist überdies „weltweit nahezu einzigartig“. Es gibt lediglich zwei weitere Exemplare in Privatbesitz. Herkunft und Künstler sind unbekannt.

Das Besondere der aus sechs Holzarten gefertigten Kommode ist ihr Dekor mit einer außergewöhnlichen Applikationstechnik - ein Sonderfall der Möbelgeschichte: Silberfolien in Form von Pfauenfedern rahmen paarweise je ein hauchdünn geschliffenes und dadurch durchsichtiges Plättchen aus Perlmutt. Weil es mit grün pigmentiertem Bindemittel aufgeklebt wurde, schimmert die Oberfläche farbig.

Die Ausstellung erläutert Herstellung, Materialien und Werkzeuge, und sie dokumentiert die Schäden und die Versuche, sie zu beheben: Das Perlmutt war brüchig und löste sich, es besaß Risse und Fehlstellen, Pfauenfeder-Folien waren geknickt, wölbten sich oder fehlten ganz. Der geschwungene Korpus hatte Risse, die vergoldeten Beschläge waren brüchig und korrodiert.

Wie man mit solchen Beschädigungen umgeht, „das kann man im Studium nicht lernen“, sagt Kuratorin Carola Klinzmann, die bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) Jahre mit der Restaurierung der Kommode befasst war. Also mussten die Experten vieles ausprobieren, um die ursprünglich verwendeten Werkstoffe zu bestimmen und die einzelnen Arbeitsschritte zu rekonstruieren.

Den Anspruch, dass das Prunkstück „in neuem Glanz“ strahlen soll, haben sie nicht. Die mehrmals überarbeitete Kommode sollte ihre Altersspuren, den Charakter als historisches Zeugnis behalten. Sie sei, obgleich lose Teile gesichert, Fehlstellen ergänzt, Risse geschlossen wurden, nicht „für die Ewigkeit“ restauriert, sagt Klinzmann. Silberfolie und Perlmutt wurden mit modernem Kleber befestigt. Schaden verursachen werde der nicht, ist die Diplom-Restauratorin überzeugt. Vorsorglich wird die Kommode in einer klimatisierten Vitrine geschützt.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Kostbarkeiten, anhand derer weitere Techniken der Möbelherstellung erklärt werden: Marketerie, Versilberung, Boulle- und Lackarbeiten. Die Schau vermittelt so einen Eindruck der höfischen Luxusmöbel des 18. Jahrhunderts und vor allem der Kunstfertigkeit und des Einfallsreichstums ihrer Hersteller.

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