Hinreißender Abend rund um Shakespeare

Senta Berger in Fritzlar: Liebe, Lust, Leidenschaft beim Kultursommer Nordhessen

Erläuterte das Rätselraten um Shakespeares berühmte Sonette: Senta Berger. Fotos:  Zerhau

Fritzlar. Das Programm „With Shakespeare in Love“ am Freitagabend beim Kultursommer Nordhessen in Fritzlar war gleich ein dreifaches Fest.

für Freunde des englischen Dramatikers (1564-1616), für Fans der sympathischen Schauspielerin Senta Berger und für Anhänger der Alten Musik.

Die Lautten Compagney aus Berlin und Countertenor Benno Schachtner betteten Shakespeares Lyrik in mitreißende Musik der Renaissance ein, die unerhört gegenwärtig wirkte, so wie all die Gefühlsstürme, die seine Gedichte an die rätselhafte „Dark Lady“ zum Ausdruck bringen: Leid und Leidenschaft, Lust, Liebe, Lüge, Eifersucht, Betrug und Begehren, Verführung und Verrat.

Die zauberhafte Kulisse um die ausverkauften Ränge tat ein Übriges für einen mit stürmischem Beifall gefeierten Abend. Einzig die Lachsalven, die ab und zu von den Getränkeständen in das eher intime Programm wehten, waren ein kleiner Störfaktor – der Kulturverein trägt mit viel Engagement und einem Wein-Ausschank zum Gelingen der Reihe „Fritzlar vor dem Dom“ bei.

Die 76 Jahre alte, verblüffend jung gebliebene Senta Berger las die Sonette nicht nur mit ihrem warmen, leicht österreichisch gefärbten Timbre mit viel Charme und ohne jede Effekthascherei, sie erläuterte auch, nahtlos ineinander übergehend, was man über diese fast 200-Mal ins Deutsche übersetzten „Meisterwerke der Tröstung und Klage“ weiß – oder eben nicht weiß.

Bezaubernde Kulisse: Die Lautten Compagney und Countertenor Benno Schachtner vor dem Fritzlarer Dom.

Denn an wen Shakespeare diese Zeilen gerichtet hat, ob es jene geheimnisvolle „dunkle Frau“ überhaupt gegeben hat, die so gar nicht dem Schönheitsideal entsprach (die Königin trug schichtenweise Kalkpuder auf, um ihre Haut aufzuhellen), darüber streiten die Experten. „Ich möchte es glauben“, sagte Berger, die manche Verse auch auf Englisch vortrug, um die Anspielungen zu erklären: „lie“ für lügen und liegen, „Will“ für den Vornamen William oder als scherzhaft-vulgäre Umschreibung für den Penis. Und das im puritanischen elisabethanischen Zeitalter.

Rasante Musik der Epoche, von Purcell, Dowland, Locke, aber auch unbekannteren Komponisten, stellte die renommierte Lautten Compagney vor, geleitet nicht von ihrem Gründer und Lautenist Wolfgang Katschner, sondern von Violinistin Birgit Schnurpfeil. Wunderbar, wie die Musiker mit dem so engagiert wie mühelos zu Werke gehenden Echo-Preisträger Schachtner harmonierten. Phänomenal, welche betörende Wirkung auch nur wenige Instrumente entfalteten – Viola und Gamben, nur gezupft, ein Zwiegespräch von Laute und Theorbe, irrwitzige Läufe der Flöte.

Unter allerhand Perkussionszauber (mit Vögelgezwitscher!) hatte auch eine Maultrommel einen großen Auftritt. Wie beim Jazz spielten sich die Instrumentalisten die Bälle zu, jeder bekam sein Solo, selbst das Spinett – da ging einem das Herz auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.