September wird rot: HipHopper aus Trier wirbt für Brandenburger SPD

Potsdam/Trier. Angela Merkel kann ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, einen guten Wahlkampfsong auszuwählen. In der Vergangenheit ließ die CDU-Bundeskanzlerin gern „Angie“ von den Rolling Stones abspielen.

Ein Hit, in dem es um eine unglückliche Liebe geht und es heißt: „Du bist wunderschön, aber wäre es nicht an der Zeit, Abschied zu nehmen?“ Insofern hat es die SPD in Brandenburg besser gemacht.

Die Sozialdemokraten werben vor der morgigen Landtagswahl mit einem Track des Trierer HipHoppers Akademik für sich. „Roter September“ heißt das Stück mit Zeilen wie: „Diese Lines sind für die Jungen und Alten, Nichtwähler und Schröder-Hasser, damit dein Willen auch zum Tragen kommt wie ein Möbelpacker.“ Und: „Für Zusammenhalt der Generationen, dass sich jeder über Wasser hält wie Weltmeermatrosen.“ Sowie: „Das was ihr da ankreuzt, ist immer noch links wie’n Facebook-Chat.“

Die Musik ist kein kuscheliger Poprap, den der süße Panda Cro in die Charts bringt, mit ihren Monster-Beats und wabernden Soundflächen klingt sie eher nach dem Berliner Brutalorap der Nullerjahre, wie ihn Bushido und Fler gemacht haben.

Der Künstler, der sich Akademik nennt, sieht aber nicht aus wie ein Gangstarapper. In seinem Anzug könnte Moritz Leopolder auch Versicherungen verkaufen oder sozialdemokratische Wahlprogramme unters Volk bringen.

„Roter September“ ist nicht der erste Song, den der Politikstudent für die SPD in seinem Tonstudio aufgenommen hat. Mit anderen Liedern hat der 24-Jährige bereits Peer Steinbrück im Bundestagswahlkampf sowie die Genossen bei der Europawahl unterstützt.

„Der Song soll Leute erreichen, die mit Politik nichts zu tun haben wollen“, sagt das Parteimitglied Leopolder. In der Vergangenheit seien einige Jungwähler nur wegen seiner Lieder zur Urne gegangen.

Bei der SPD in Brandenburg, das so rot ist wie Sachsen schwarz, kommt das Lied gut an. Hier dürfen zum ersten Mal in einem Flächenbundesland 16-Jährige abstimmen. Für diese Zielgruppe ist HipHop sicher besser als eine Schnulze der Rolling Stones.

SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke ist übrigens Stones-Fan. Beim Sommerfest der Partei in Potsdam hat er Leopolder trotzdem anerkennend auf die Schulter gehauen.

Von Matthias Lohr

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