Der italienische Meisterpianist Maurizio Pollini wird heute 70

Er setzt das Maß

Meister am Klavier: Maurizio Pollini. Foto: universal/nh

Manche Musikfreunde stellt Maurizio Pollini vor Probleme: Sie können bestimmte Klavierstücke nicht mehr genießen, wenn sie von anderen Pianisten gespielt werden. Bei Platten nennt man das gemeinhin Referenzaufnahme. Pollinis Einspielung der Chopin-Etüden von 1972 ist eine solche, einige rechnen auch seine Aufnahme der späten Beethoven-Sonaten dazu. Man kann aber auch einfach sagen: Maurizio Pollinis Klavierspiel kann süchtig machen.

Vor 70 Jahren, am 5. Januar 1942, wurde Pollini in Mailand geboren. Nach dem Klavierstudium in seiner Heimatstadt holte er sich den letzten Schliff bei Arturo Benedetti Michelangeli. Spätestens als er 1960 den Chopin-Wettbewerb gewann, stand ihm die Musikwelt offen.

Heute kann man sich nur schwer vorstellen, wie neu und rein das extrem virtuose, temperamentvolle und gleichzeitig streng an den Notentext gebundene Spiel Pollinis in einer Zeit wirkte, da viele Virtuosen noch gern ihre Marotten pflegten. Gerade als Chopin-Interpret hat Pollini Maßstäbe gesetzt. Wie wenige andere Pianisten hat er sich aber auch für die Musik des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Seine Aufnahmen der Werke Bergs und Schönbergs, aber auch Boulez’ und Nonos dokumentieren nicht zuletzt die analytische Schärfe seines Musizierens.

Bei Live-Auftritten wirkt Pollini stets zurückhaltend, fast schüchtern. Sein Klavierspiel aber ist von bezwingender Intensität. An Ehrungen hat Pollini, der mit seiner Frau Marilisa einen Sohn hat, alles erfahren, was einem Musiker möglich ist: Vom Siemens-Musikpreis über den Lebenswerk-Echo bis zum Praemium Imperiale, dem Kunst-„Nobelpreis“.

Zum Siebzigsten bringt die Deutsche Grammophon zwei Best-of-Boxen heraus: „The Art of Maurizio Pollini“ (3 CDs) und „Maurizio Pollini - 20th Century“ (6 CDs). Neu und sehr empfehlenswert ist eine Aufnahme des ersten Brahms-Konzerts mit Christian Thielemann und der Staatskapelle Dresden (Deutsche Grammophon).

Von Werner Fritsch

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