Der Film rechnet schwarzhumorig mit Komödienklischees rund ums Heiraten ab

Neu im Kino: „Brautalarm“: „Sex and the City“ auf schmuddelig

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Zu allem entschlossen: Megan (Melissa McCarthy, von links), Becca (Ellie Kemper), Helen (Rose Byrne), Rita (Wendi McLendon-Covey), die Braut Lillian (Maya Rudolph) und Annie (Kristen Wiig).

Freundlich, aber bestimmt wurde Annie (Kristen Wiig) von ihrem arroganten Gelegenheitsliebhaber Ted (Jon Hamm) hinauskomplimentiert. Nun hängt sie auf dem Gartentor, über das sie mit Stöckelschuhen und kurzem Rock geklettert ist und das sich, während sie rittlings drauf sitzt, automatisch öffnet, um die Haushälterin hereinzulassen.

Diese Situation kompletter Erniedrigung quittiert Annie mit einem Kichern, das sich zwischen Hysterie und Selbstironie nicht entscheiden kann.

Als klassische Antiheldin ist Annie das labile Zentrum einer Komödie, in der sich alles ums Heiraten dreht. Aber nicht das Mauerblümchen findet seinen Prinzen, sondern ihre Freundin Lillian (Maya Rudolph). Die beiden kennen sich schon seit Kindertagen und natürlich wird Annie als Brautjungfer rekrutiert.

Mittagessen kommt hoch

Gemeinsam mit der frustrierten Mehrfachmutter Rita (Wendi McLendon-Covey), der burschikosen Schwägerin Megan (Melissa McCarthy), der naiven Becca (Ellie Kemper) und der schwerreichen Edelzicke Helen (Rose Byrne) beginnen die Hochzeitsvorbereitungen. Aber schon beim Aussuchen des Brautjungfernkleides in der Nobelboutique kommen die sozialen und charakterlichen Differenzen (gemeinsam mit dem mexikanischen Mittagessen) hoch.

In den USA wurde Paul Feigs „Brautalarm“ als weibliche Antwort auf „Hangover“ gehypt. Aber auch wenn sich die Damen hier recht gründlich danebenbenehmen dürfen, hinkt der Vergleich.

Denn mehr als mit dem Junggesellenabschieds-Katastrophen-Film ist „Brautalarm“ mit dem Genre der romantischen Komödie verbunden. Genussvoll werden der amerikanische Hochzeitsvorbereitungswahn und der damit verbundene romantische Perfektionismus durch den Fleischwolf gedreht. Das ist nicht immer geschmackvoll, aber der Film atmet einen anarchistischen Befreiungsdrang, den man in diesem von Konventionen erstarrten Genre nur selten findet. Trotz ihrer klischeehaften Anlage sind die Frauenfiguren im Zickenkrieg mit Herz und Schnauze dabei. Kristen Wiig, die auch das Drehbuch mitverfasst und den Film mitproduziert hat, führt ihre liebenswerte Antiheldin mit leichter Hand von einem Fettnapf zum nächsten. Als Schmuddelversion von „Sex and the City“ ist „Brautalarm“ ein Frauenfilm der besonders komischen Art.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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