Gruppensex im dänischen Königshaus: Plakat in der Caricatura

Provokation: „Körperbehaarung wieder im Trend“ lautet der Titel des Plakats, das in Dänemark für Aufregung sorgt. In Kassel ist es jetzt zu sehen (hier ein Ausschnitt mit „Zensurbalken“). Foto: nh

Kassel. Das Plakat der dänischen Künstlergruppe Surrend, das die Caricatura in Kassel in einer eilig anberaumten Ausstellung in ihrer Bar zeigt, ist drastisch. Es zeigt die dänische Königsfamilie beim Gruppensex.

Die Anordnung entspricht der klassischen Darstellung einer Monarchie, samt niedlicher Putten. Doch abgebildet ist die nackte Königin Margrethe, die sich selbst befriedigt, zu sehen sind erigierte Penisse, schwuler Sex und die Kopulation mit einem Schaf. Der Titel: „Körperbehaarung wieder im Trend. Heute: Die dänische Königsfamilie.“

In Dänemark sorgt die Zeichnung für gehörig Wirbel. „Es geht nicht um Provokation um der Provokation willen“, versichert Jan Egesborg von Surrend. Inzwischen habe sich die Geschichte jedoch zu einem Prinzipienstreit entwickelt, der vor Gericht ausgetragen werden wird.

Jan Egesborg

Hintergrund ist eine seit zwei Jahren geplante Surrend-Ausstellung im Museum „Den Gamle By“ in Aarhus. Schirmherrin des Hauses: die Königin. Surrend habe sich im Vorfeld mit dem Museum geeinigt, das Plakat nicht in Aarhus, sondern in einer Galerie in Kopenhagen zu zeigen. Dann habe die Museumsleitung per Pressemitteilung die ganze Schau abgesagt.

Mit dieser „Attacke auf die Meinungsfreiheit“ und „Zensur“ stellten sich für Surrend grundsätzliche Fragen: Welche Tabus gelten für Satiriker? Wer bestimmt, was in den Museen hängen darf? Welchen Einfluss hat die Königin? Und vor allem: Warum ging ganz Dänemark auf die Barrikaden, als sich Muslime weltweit vor fünf Jahren über die in einer dänischen Zeitung abgedruckten Mohammed-Karikaturen erregten, und verteidigte die Meinungsfreiheit, und warum ist satirische Kritik am eigenen Königshaus tabu?

Meinungsfreiheit gelte also, wenn man sich über eine religiöse Minderheit lustig mache, aber nicht, wenn man über das Königshaus lache. „Doppelmoral in Dänemark“ heißt ein Plakat, das die Mohammed-Karikatur mit der Gruppensex-Abbildung kombiniert - die sich laut Caricatura in eine lange Tradition von Satire auf Königshäuser in pornografischen Abbildungen seit der Französischen Revolution einreiht.

Surrend hat Erfahrung mit Protesten und Rechtsstreitigkeiten. Eine Ausstellung in Berlin wurde vor zwei Jahren wegen Attacken von Muslimen zeitweilig geschlossen. Erzürnt zeigte sich auch schon die russische Regierung. Monarchiekritisch ist Surrend seit jeher.

Ergänzt wird die Kasseler Mini-Schau übrigens mit drei harmloseren Plakaten.

Caricatura, Kulturbahnhof Kassel, bis 7.11., täglich außer So ab 19 Uhr, Eintritt frei, www.caricatura.de

 

Kommentar

Mark-Christian von Busse über das anstößige Surrend-Plakat

Logik der Freiheit

Die Königsfamilie beim Gruppensex? Was für eine simple, billige, durchsichtige Provokation, mag man zuerst denken. Wer die ganze Geschichte hört, zumindest wie Surrend sie erzählt, für den stellt sich das anstößige Plakat differenzierter dar: als ein weiteres der zahlreichen Beispiele für den alten Streit um Tabubrüche und Meinungsfreiheit.

Wer sich für das Recht stark macht, mit einer Karikatur Muslime gegen sich aufzubringen, muss auch eine derbe Provokation der eigenen Monarchie erdulden - so lautet die Logik der Gruppe Surrend, die mit ihren Plakataktionen ansonsten Menschenrechtsverletzungen in Russland oder im Iran geißelt. Eine freie Gesellschaft muss auch schärfste und härteste satirische Kritik aushalten.

Vielleicht ist das der Kern der Geschichte: Freiheit ist nicht nur stets die Freiheit der Andersdenkenden, sondern auch die Freiheit, sich zum Deppen zu machen, Unfug zu äußern und Geschmacklosigkeiten zu produzieren. Die klügste Reaktion ist übrigens die des Königshauses. Es gibt keine. Bislang ignoriert man das Plakat. vbs@hna.de

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