Ein SchlauBerger-Extra

Sex im Standesamt, alles Käse

In Kassel war echt was los. Da haben die Leute nicht nur geheiratet wie verrückt, da ging’s auch gleich richtig zu Sache, und zwar am 12. 12. 2012: „Insgesamt wurden gestern in Kassel 32 Ehen vollzogen“.

Diesen Satz schrieb die HNA, und unsere Leserin Gisela Schaar, die’s entdeckt hatte, kommentierte süffisant: „Es muss starkes Gedränge im Rathaus gegeben haben.“ Stark war auch das Gewühle an der Sprachfront im vorigen Jahr. Zum Ausklang präsentiere ich Ihnen ein paar Rausschmeißer, die auf keinen Fall unter die Räder kommen dürfen.

Meine Sammlung beginnt in Niedersachsen, wo sich Merkwürdiges ereignet hat: „Sechs Menschen sind bei einem Unfall in Göttingen schwer verletzt worden – glücklicherweise nur leicht“, schilderte die HNA. Leicht verletzt wurde auch ein Rentner in Bad Hersfeld bei einem Überfall. Die Polizei war gut drauf und wurde schnell fündig. „Im Rahmen der Spurensicherung wurde ein Holzbein entdeckt“, schrieb ein Anzeigenblatt, „das wahrscheinlich von einem Stuhl stammte.“

"SchlauBerger" Reinhard Berger

Ohne Verletzungen soll im Forstamt des Reinhardswaldes die Zahl der Mitarbeiter reduziert werden, und zwar „durch das softe Abschmelzen des Personals“, wie es in der Zeitung hieß. Noch schlimmer erging es einem Kind aus dem Kreis Kassel, das von einem Auto angefahren worden war. Die Siebenjährige „wurde vom Rettungsdienst ins Klinikum Kassel gebracht, wo das Mädchen stationär ausgenommen wurde“, hieß es im HNA-Bericht.

Davor müssen Kunden eines Elektronikmarktes im Schwalm-Eder-Kreis keine Angst haben. Im Gegenteil: „Geburtstagsverkauf. 0%-Kostenlosfinanzierung“, warb das Unternehmen. Jeder darf dort superbillig einkaufen, vorausgesetzt, er ist nicht in jenem Restaurant im Schwalm-Eder-Kreis auf der Speisekarte gelandet: „Alle Bürger wahlweise mit Käse zum gleichen Preis.“ Es muss heißen „zum selben Preis“, merkt euch das!

Da ziehe ich ganz ehrlich das „tierfreundliche Fleisch aus dem Supermarkt“ vor. Aber Vorsicht! Zu viel Fleisch macht Rheuma. Und Sie wissen ja: „Rheuma hat 100 Gesichter“, wie eine Schlagzeile in der HNA verkündete.

Darüber brauchen Sie sich gar nicht lustig zu machen. Auch nicht über das Kulturzelt Kassel, das bei einem Konzert des irischen Rockstars Bob Geldof Töne von sich gab und applaudierte: „Nach einer Stunde war der Bann endlich gebrochen, und das unbestuhlte Zelt sang und klatschte mit.“ So viel Geschwurbel muss unbedingt in geordnete Bahnen gelenkt werden, meinen die Bernsteins aus Kassel. Deswegen sind sie dafür, dass der Bundestag ein Schwurbelgesülzeanbaubeschleunigungsgesetz auf den Weg bringt.

Liebe Leser, die schlechte Nachricht zum Schluss: Diesmal gibt es nichts zu gewinnen. Ich hätte Ihnen ja gern eine Kreuzfahrt angeboten, und zwar auf einem sprechenden Schiff. Aber die Mannschaft hatte Besseres zu tun. In der ADAC-Motorwelt wurden „Flusskreuzfahrten mit deutschsprachigen Schiffen“ angeboten, kombiniert mit einer „kostenlosen Haustürabholung“. Was unseren Leser Bernd Häcker aus Immenhausen fast sprachlos machte: „Beim Bau meines Häuschens musste ich sehr lange warten, bis die bestellte Haustür endlich geliefert wurde. Ich fände es bedauerlich, wenn ich, um eine Flussfahrt anzutreten, nun auf meine Haustür verzichten sollte.“

Dann würde ich mich, ehrlich, auch lieber für die „Kreuzfahrten mit AIDA ab/bis Haustür 2013“ aus der Werbung entscheiden. Obwohl unser Leser Gerold Hahn aus Kassel feststellte: „Es könnte mit der Fuldaschleuse Probleme geben, und auch in meine Baumgartenstraße kommt man mit einem langen Fahrzeug nur schlecht hinein. Verstehen Sie mein Problem?“

Ich verstehe. Und deshalb vertagen wir’s auf nächstes Jahr. Tschüss dann!

Sie sind unsere Stilblütensammler: Anne-Lise Eriksen (Nörten-Hardenberg), Erna Hillebrand (Hofgeismar), Bernd Häcker (Immenhausen), Delia Rieser (Reinhardshagen), Werner Henkel (Friedewald), Alexander Schmidt (Melsungen), Heide Dörr, HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden, HNA-Redakteur Olaf Dellit, Eheleute Bernstein (Kassel), Gerold Hahn (Kassel).

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