Sexy Politkritik: Die nigerianische Sängerin Nneka im Kulturzelt

Eine Stimme wie der junge Michael Jackson: Die in Hamburg lebende Sängerin Nneka. Foto: Schachtschneider

Kassel. Im Kulturzelt Kassel präsentierte man vor einigen Tagen mit dem 73-jährigen Südafrikaner Hugh Masekela einen Künstler, der gesellschaftskritische Töne in traditionelle Songs verpackt.

Heutzutage schickt die afrikanische Jugend den Aufruf zum Widerstand mit Dub, Soul, HipHop und Afrodance in die Welt - wie etwa die 31-jährige, aus Nigeria stammende Sängerin Nneka Egbuna.

Ihr Konzert am Sonntag bot Bemerkenswertes und Faszinierendes im Minutentakt. Die Soundabmischung gelang perfekt. Keyboarder Nils Kötting sorgte für eine geschmackvolle Ausleuchtung der Arrangements, und Gitarrist Fontaine Burnett trieb so manchen rockigen Solo-Pfahl in das aufblühende Weideland afrikanischer Popmusik.

Der New Yorker Muskelmann Kilian Soldat gab den coolen Sonnenbrillen-Drummer. Gros Ngollé Pokossi rollte am Bass routiniert den Teppich aus, und schon stand die zierliche Nneka mitten im Scheinwerferlicht.

Doch mit so einer grandiosen Stimme kann nichts passieren. Sie klingt wie eine Mischung aus dem jungen Michael Jackson und der Soul-Diva Randy Crawford. Doch es blieb das individuelle Timbre einer Sängerin, die sich um Sensibilität für afrikanische Themen und für die adäquate Beachtung des Kontinents in einer globalen Neuordnung bemüht.

In ihrem Song „V.I.P.“ steht die Abkürzung nicht für sehr wichtige Menschen, sondern Vagabond in power – der Begriff „Flüchtlinge an der Macht“ stammt vom Afrobeat-Begründer Fela Kuti. Und den korrupten Ölbossen im Niger-Delta widmet sie in einer Rede gleich zehn Minuten.

In Deutschland gelten kritische Themen im Musik-Mainstream zumeist als unsexy. In anderen Ländern tanzt man sich dabei die Seele aus dem Leib. Fatalismus? Oder Selbstbewusstsein? Nneka steht definitiv für das Letztere. Auch dafür gebührt ihr höchster Respekt. Großer Applaus.

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