Shoppen im Sepulkralmuseum bis der Tod kommt

+
Der Kommerz mit dem Tod kennt keine Grenzen: Kuratorin Ulrike Neurath mit zwei Totenkopfmotiven in der Ausstellung „Buy now, die later!“. Auch eine Handtasche mit Zuckerschädel gibt es im Kasseler Sepulkralkaufhaus. 

Kassel. Ob Ed Hardy oder "Fluch der Karibik" - Todesmotive sind in der Mode allgegenwärtig. Das Kasseler Sepulkralmuseum zeigt das nun in einer ungewöhnlichen Ausstellung und eröffnet ein Kaufhaus.

Früher waren Museen Elfenbeintürme der Wissenschaft, nun wird aus dem Kasseler Sepulkralmuseum ein Kaufhaus. „Buy now, die later!“ (Kauf jetzt, stirb später) heißt die neue Ausstellung, die zeigt, wie Todesmotive die Mode bestimmen.

Vitrinen werden zu Schaufenstern. Die Besucher dürfen Bekleidung, Schmuck sowie Accessoires anfassen und sogar kaufen. „Manchmal wollen wir halt auch im Museum Spaß haben“, sagt Leiter Reiner Sörries. Gleichwohl liefert das Sepulkralkaufhaus einige interessante Erkenntnisse.

1. Der Tod wird kommerzialisiert. Todesmotive sind nicht neu, aber sie hatten früher eine andere Funktion. Sie sollten daran erinnern, dass das Leben endlich ist und zu einem gottgefälligen Lebenswandel führen, wofür der Begriff „Memento mori“ steht. Die Ausstellungsmacher Gerold Eppler und Ulrike Neurath interessierte vor allem die Kommerzialisierung: „Warum kaufen Leute etwas, das früher alle in Angst und Schrecken versetzt hat?“ Zumal man mit dem Tod nichts zu tun haben will - zumindest jetzt noch nicht.

Darauf gibt es mehrere Antworten. Für Anhänger der Gothic-Szene ist ein Totenkopf Kritik an der Gesellschaft. Motorradfahrer versuchen mit ihm, den Tod abzuwehren, der immer mitfährt. Für andere ist der Totenkopf nur noch ein Accessoire ohne Bedeutung.

2. Der „Fluch der Karibik“ bringt den Tod ins Kinderzimmer. Dass morbide Motive todschick sind, fiel Eppler und Neurath zum ersten Mal 2008 auf, als sie eine Ausstellung über das Sterben von Kindern zusammenstellten. Sie stießen auf unzählige Totenkopfprodukte fürs Kinderzimmer. In der aktuellen Schau sieht man nun sogar einen Baby-Strampler mit einem solchen Motiv.

Den kaufen heute nicht mehr nur Fans des FC St. Pauli, der sich als Piratenverein des Profifußballs inszeniert, sondern auch Anhänger von Disneys Kino-Reihe „Fluch der Karibik“. Die Piratenfilme mit Johnny Depp machten den Totenkopf auf der Jolly-Roger-Flagge ab 2003 populär. Zur gleichen Zeit ließen Star-Designer wie Alexander McQueen und Karl Lagerfeld Models mit Skelettmotiven und Totenkopfringen über den Laufsteg schreiten.

3. Mit Rockern ist nicht zu spaßen. Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg machten US-Biker das traditionelle Vanitas-Motiv mit Totenschädel zu ihrem Symbol. Die Hells Angels haben ihre Motive allerdings urheberrechtlich schützen lassen. Weil man in der Rockerszene „andere Umgangsarten pflegt“, so Eppler, sieht man in der Ausstellung daher nur ein Fotobuch der Stuttgarter Hells Angels.

4. Diese Ausstellung macht wirklich Spaß. Eröffnet wird sie am Freitag mit einer Modenschau. Es gibt eine eigene T-Shirt-Kollektion mit Grafiken aus dem Museumsarchiv sowie Late-Night-Shopping am 18. September und 17. Oktober. Zudem sticht die Kasseler Tätowiererin Jenny B Kunden Totenköpfe und bunte Zuckerschädel in die Haut. Ihr Motto passt auch zur Ausstellung: „Get inked or die naked!“ (Lass dich tätowieren oder stirb nackt).

„Das Sepulkralkaufhaus - Buy now, die later!“ Eröffnung Freitag, 19.30 Uhr, Sepulkralmuseum Kassel, Weinbergstraße 25-27. Geöffnet bis zum 8. November Di, Do-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr. www.sepulkralmuseum.de

Modeausstellung im Sepulkralmuseum: Todschicke Motive

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.