Pantha du Prince: Was sich durch den Echo für den Kasseler geändert hat

+
Preis für Minimal Techno: Hendrik Weber alias Pantha du Prince beim Echo.

Wenn Hendrik Weber über das Pop-Geschäft redet, verliert der Glamour all seinen Zauber. Vor zwölf Tagen gewann der aus Kassel stammende Musiker mit seinem Techno-Projekt Pantha du Prince und dem Album „Black Noise“ den Kritikerpreis beim Echo in Berlin.

Für seinen minimalen Techno wurde Weber von Jazz-Trompeter Till Brönner mit maximalem Lob überschüttet, und er bekam mehr Applaus als die zweimal erfolgreiche Grand-Prix-Siegerin Lena. Trotzdem fand der 36-Jährige den Abend „extrem erschreckend“.

Er mag die Welt der Stars und Sternchen nicht. „Die sind überhaupt nichts Besonderes, sondern auch nur Menschen mit Pickeln auf der Nase“, sagt er im Interview mit unserer Zeitung. Weber raubt einem alle Illusionen. Wir dachten, diese Welt würde wenigstens etwas glitzern, und so ein Triumph würde das Leben verändern.

Gar nichts habe sich für ihn geändert, sagt der Wahl-Berliner: „Ich trinke immer noch schwarzen Tee zum Frühstück und bekomme immer noch 40 Mails am Tag.“ Da ist vielleicht ein bisschen Koketterie im Spiel, denn selbstverständlich hat Weber zuletzt zahlreiche Gratulationen von alten Kumpels aus Nordhessen erhalten, die er noch gar nicht beantworten konnte. Zudem ist es nicht mehr so einfach, ihn ans Telefon zu bekommen. Ein Mitarbeiter einer Management-Firma kümmert sich nun um die Anfragen, weil es zu viele geworden sind, und Weber ist oft unterwegs.

Direkt nach der Echo-Gala reiste er nach Paris, wo er an der Musik für ein Tanztheaterprojekt arbeitete, und in der nächsten Woche fliegt er in die USA, wo er bereits zum vierten Mal auf Tour geht. Zudem beginnt bald die Arbeit am nächsten Pantha-du-Prince-Album, das erneut bei der Londoner Plattenfirma Rough Trade erscheinen soll.

Es war eine kleine Revolution, als das legendäre Rock-Label ihn als ersten Techno-Künstler unter Vertrag nahm. Für Weber, der einst Bass in der Hamburger Indie-Band Stella spielte, spiegelt das jedoch nur die Entwicklung des Pop wider: „Elektronische Musik ist die einzige Musik, die noch Innovationen hervorbringt. Dass sie freiheitliche Ideen weiterträgt, ist vielen gar nicht bewusst.“ Vielleicht sorgt der Echo dafür, dass sich nun mehr Menschen in die faszinierenden Klangwelten von Pantha du Prince begeben, in denen es knistert und klingelt wie in einem Märchenwald.

Weber, der über sein Privatleben schweigt, ist kürzlich von Paris nach Berlin gezogen - weil er in der Metropole ein ruhiges Leben hat, wie er sagt. Ausgehen mag er gar nicht so. Die Popstars von heute möchten gar keine sein und haben am liebsten ihre Ruhe. Schon wieder ist eine Illusion kaputt.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.