Schauspieler und Musiker Alexander Pluquett lud zum Kreisler-Abend in die Komödie

Sich richtig Luft machen

Als Georg Kreisler: Alexander Pluquett in der Komödie. Foto: Fischer

KASSEL. Wer beichten will, geht in die Kirche. Wer über seine lieben Mitmenschen mal so richtig vom Leder ziehen möchte, sucht auch mal einen anderen „geistlichen“ Ort auf: „Wenn ich von Liebe und Politik die Nase voll habe, gehe ich ins Wirtshaus“, sagt Georg Kreisler in einem seiner zahlreichen satirischen Texte. Seinen Blick für die Realität hat das nicht getrübt. Im Gegenteil: Als „der genialste und radikalste Kabarettist des deutschen Sprachraums“ wurde der 1922 in Wien geborene Musiker, Schriftsteller und Satiriker einmal betitelt.

Den Beleg dafür lieferte der aus Schauenburg stammende Musiker und Schauspieler Alexander Pluquett am Dienstagabend in der ausverkauften Kasseler Komödie. Aus dem umfangreichen Fundus von Kreisler-Liedern hat er eine Reihe zeitlos-amüsanter Stücke herausgefischt und daraus zusammen mit der japanischen Pianistin Ayako Ito ein bissig-komödiantisches Programm mit dem Titel „Liebe, Politik und andere Katastrophen?“ kreiert.

Mit Lausbubencharme und Spielfreude schlüpft Pluquett in die satirischen Befindlichkeiten des Querdenkers und Geradeaus-Spötters Kreisler, und bringt auf den Punkt, wo Kreisler deftige Ausrufezeichen setzt. Hinter die Politiker zum Beispiel, „die sind so mies“. Oder die kirchlichen Obrigkeiten: „Der Papst hat nichts von seiner Nülle, verbietet aber die Pille.“

Und die Liebe? „Liebschaften sind wie Pilzgerichte. Man weiß erst hinterher, wie es ausgeht.“ Pluquett bringt Kreisler im locker humorvollen Stil eines Boulevard-Komödianten. Nicht der Biss, sondern sein komisches Talent steht im Mittelpunkt. Lob auch für Pluquetts Facettenreichtum. Wie er den Zyniker, den Betrunkenen oder Anwalt des kleinen Mannes mimt, kommt beim Publikum bestens an. Seine Pianistin begleitet souverän, bleibt ansonsten mit gespielter Introvertiertheit im Hintergrund. Viel Applaus und zwei Zugaben.

Weiterer Auftritt am 9. März, 20 Uhr, Theaterstübchen.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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