Staatstheater-Uraufführung „Das Maß der Verlässlichkeit“ - Premiere ist am Donnerstag im tif

Wer sich dem Schlaf verweigert

Patrick Schlösser Foto:  Ketz/ nh

Kassel. Schlafen heißt, die Kontrolle abzugeben. Was bedeutet es gesellschaftlich, wenn jemand nicht mehr schlafen kann, sich vielleicht nicht mehr zu schlafen traut, weil der Druck so groß geworden ist? Und wenn jemand beruflich dauernd mit Kontrolle beschäftigt ist, wie wirkt sich das auf sein Privatleben aus? Können wir Beruf und Privates überhaupt noch trennen?

Diese Fragen bearbeitet der Berliner Dramatiker Benedikt Bernhard Haubrich (31), dessen neues Stück „Das Maß der Verlässlichkeit“ am Donnerstag am Staatstheater uraufgeführt wird. Die Produktion ist eine Auftragsarbeit. Im tif inszeniert Oberspielleiter Patrick Schlösser, der im vergangenen Jahr dort auch Haubrichs „Kaltes Land heißes Land heiliges Land“ gezeigt hat. Haubrich wurde in Mainz geboren, studierte Schauspielregie und betätigt sich neben dem Stückeschreiben auch als Regisseur, unter anderem an der Berliner Schaubühne.

„Ich finde es gut, wenn Dramatiker wichtige gesellschaftliche Themen auch wirklich anpacken“, sagt Schlösser, der sich in den letzten zehn Monaten immer wieder mit Haubrich getroffen hat, um das Stück zu besprechen. Von dessen Idee, sich mit Schlaflosigkeit zu beschäftigen, war er von Anfang an begeistert. Weil das Thema viele gesellschaftliche und psychologische Aspekte eröffnet.

Anke Stedingk spielt die Schlafforscherin Kattrin, deren Leben ihr mehr und mehr entgleitet. Sie bekommt einen Patienten, dessen Schlaflosigkeit sie nicht behandeln kann. Zu Hause kann sie ihren beiden Töchtern und ihrem neuen Lebensgefährten nur noch Kontrolle entgegenbringen - richtiger Kontakt gelingt ihr nicht mehr. Sorge macht ihr, dass Tochter Hannah nicht mehr spricht und sie den Grund nicht entschlüsseln kann.

„Diese Frau hält beruflich und privat alles zusammen - aber in ihrem Inneren zerfällt sie“, sagt Schlösser. Er kündigt an, dass die Inszenierung auch formal mit dem Thema Wachen oder Schlafen, Wirklichkeit oder Traum spielen wird.

Premiere am Donnerstag, 20.1., Kostprobe am Dienstag, 18.1., 20.15 Uhr im tif, Theater im Fridericianum. Karten: 0561-1094-222.

Von Bettina Fraschke

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