Sido ist eine Lachnummer: Der Rapper und seine Kino-Premiere „Blutzbrüdaz“

Spielen letztlich doch nur sich selbst: Die HipHopper Sido (rechts) als Otis und sein Kumpel B-Tight als Eddy. Foto:  Constantin

Im Interview mit unserer Zeitung hatte der Rapper Sido eine klare Ansage für „Blutzbrüdaz“ gemacht: „Wer wissen will, wer Sido ist, sollte sich nicht den Film ansehen, sondern meine Platten anhören.“

Das klang klug. Bislang waren HipHop-Filme meist Dramen, die den Weg von unten nach ganz oben beschrieben.

Bei Eminems „8 Mile“ gelang das furios, bei „Get Rich Or Die Tryin’“ mit 50 Cent und „Zeiten ändern dich“ mit Bushido war es eher unfreiwillig komisch, weil sich die Stars zu ernst nahmen. Die Produzenten Oliver Berben und Fatih Akin haben mit Regisseur Özgür Yildirim darum richtig entschieden, aus Sidos erstem Leinwandauftritt nicht eine weitere Heldenglorifizierung zu machen.

„Blutzbrüdaz“ ist eine Musikkomödie geworden, die meist den richtigen Ton trifft und durchaus lustig ist. Erzählt wird die Geschichte des Berliner Rappers Otis, der von seinem Beinahe-Namensvetter Sido gespielt wird. Dessen echter Kumpel B-Tight mimt den Filmfreund Eddy.

Die beiden schwören sich im Jahr 2000 ewige Freundschaft, sind aber so pleite, dass sie nicht einmal in den angesagten HipHop-Club der Stadt kommen. Doch schon bald haben sie es dank basslastigen Beats, eindeutigen Reimen („Mund auf, Schwanz rein“) und einem geklauten Mikro, mit dem sie ihr erstes Tape aufnehmen, zu Underground-Stars gebracht.

Der Sony-Manager (Tim Wilde), der sie zunächst noch altklug belehrt, lieber auf Englisch zu rappen, will nun Teenie-Stars aus ihnen machen. Als sie ihre erste Single für den Plattenmulti aufnehmen, sollen sie singen statt rappen. „Wir können nicht singen, Alter“, sagt Otis verzweifelt.

Das Böse im Musikgeschäft

Trotzdem wird der süße Eddy zum Posterboy, während Otis nur Staffage ist. Darum schmeißt er hin und macht mit dem Club-Betreiber Fusco, den der aus Kassel stammende Milton Welsh ganz groß spielt, wahren HipHop.

Den Konflikt zwischen Gut und Böse im Musikgeschäft hat Regisseur Yildirim („Chiko“) schön überdreht inszeniert. Und auch die Musikszenen kommen authentisch rüber. Den besten Moment hat der Film, als Otis und Eddy im Wohnzimmer ihren ersten Track aufnehmen. Aus hölzern gerapptem Text wird Schicht um Schicht ein Hit. Wie aus den beiden Freunden Rivalen werden, das wird jedoch eher hölzern erzählt.

Sido macht seine Sache gut. Yildirim wollte nicht, dass er spielt: „Er sollte nur er selbst sein.“ Insofern erfährt man in „Blutzbrüdaz“ doch etwas über den Star: dass er ein durchschnittlicher Rapper mit einer eindimensionalen Technik ist, aber ein guter Entertainer.

Genre: Musikkomödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: drei von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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