Michelle Williams über Marilyn Monroe: „Sie brauchte Liebe, um zu leben“

Michelle Williams als Marilyn Monroe: „My Week with Marilyn“ basiert auf den Memoiren von Colin Clark, der 1957 Regieassistent war, als Monroe mit Laurence Olivier die Komödie „Der Prinz und die Tänzerin“ drehte. Foto: Ascot Elite

Fragen zu Heath Ledger beantwortet Michelle Williams in Interviews grundsätzlich nicht. Die US-Schauspieler, die gemeinsam in „Brokeback Mountain“ vor der Kamera standen, waren einst ein Paar und bekamen eine Tochter. 2007 trennten sie sich.

Wenig später starb Ledger an einer Überdosis Schlaftabletten. Nun spielt die 31 Jahre alte Williams in Simon Curtis’ Film „My Week with Marilyn“, der diesen Donnerstag in die deutschen Kinos kommt, einen anderen Star, der an Medikamenten starb: Hollywoods große Diva Marilyn Monroe (1926 bis 1962).

Eine Ikone wie Marilyn Monroe zu spielen, ist keine leichte Aufgabe. Wie viel Respekt hatten Sie vor dieser Rolle?

Michelle Williams: Ich habe das Drehbuch im Bett in einem Zug durchgelesen, und für mich war sofort klar, dass ich diese Rolle spielen will. Erst am nächsten Tag wurde mir bewusst, auf was ich mich da einlasse. Da nisteten sich die Zweifel in meinem Kopf ein, mit denen ich mehr als ein Jahr gekämpft habe. Aber auf solche Herausforderungen lasse ich mich gern ein, weil ich als Schauspielerin immer etwas dazulernen will: über mich, mein Handwerk, über die Person, die ich spiele, und über die Welt. Ich bin immer noch sehr neugierig.

Was haben Sie über Marilyn Monroe dazugelernt?

Williams: Als Jugendliche hatte ich in meinem Zimmer ein Foto, auf dem sie barfuß über die Wiese geht. Mein Bild von ihr als unschuldiges Wesen, als Kind im Körper einer Frau war sehr stark mit dieser Aufnahme verbunden. Als Vorbereitung auf diesen Film habe ich so viel Material wie möglich in mich aufgenommen. Für mich ist Marilyn Monroe vor allem ein ruheloser Geist, der ein Leben lang um Wertschätzung gerungen hat. Dieser alltägliche Kampf um Anerkennung spiegelt sich in ihren Briefen und Tagebüchern deutlich wider.

War Marilyn Monroe süchtig nach Aufmerksamkeit?

Williams: Marilyn Monroe brauchte diese Aufmerksamkeit, um das auszugleichen, was ihr als Kind fehlte. Sie hat in ihrer Kindheit enorme Verluste erlitten. Ihre Mutter war in der Psychiatrie, und ihren Vater hat sie nie gekannt. Sie hat ein Leben lang nach ihm gesucht. Auch als sie schon ein Filmstar war, wollte sich keiner zur Vaterschaft bekennen. Vor jeder Tür, an der sie klingelte, hieß es: „Nein, du bist nicht mein Kind.“ Aus all diesen Gründen war Aufmerksamkeit für sie von enormer Bedeutung. Wenn ein Baby zu lang keinen Körperkontakt hat, stirbt es. Marilyn Monroe brauchte die Aufmerksamkeit, um zu überleben.

Gleichzeitig wurde die Aufmerksamkeit, um die sie gerungen hat, zu ihrem Gefängnis.

Williams: Aufmerksamkeit ist immer eine zweischneidige Angelegenheit. Als sie mit 15 zum ersten Mal im Bikini am Strand entlangging und die Reaktion der Männer sah, hat sie gehofft, über diesen Effekt etwas von dem Zeug zu bekommen, das sich Liebe nennt. Deshalb hat sie diese Kunstfigur der Marilyn Monroe aufgebaut, und das hat sie meisterhaft gemacht. Es sah aus, als wäre ihr alles von Gott gegeben, aber sie hat diese Ikone selbst erschaffen. Sie konnte aus dieser Figur auch nach Belieben ein- und aussteigen. Sie musste nur einen Regenmantel überziehen und einen Hut aufsetzen und konnte unbehelligt durch New York laufen.

Worum ging es Ihnen, als Sie mit dem Schauspielen angefangen haben?

Williams: Als Kind wollte ich zuerst Boxerin, dann Fernfahrerin und schließlich Schauspielerin werden. Es muss also etwas Masochistisches in mir stecken. Aber bei der Wahl meines Berufes ging es mir nicht um die Aufmerksamkeit, die man damit erlangen kann. Ich wollte von Anfang an eine ernsthafte Schauspielerin werden und die Wertschätzung haben, die damit einhergeht.

Von Martin Schwickert

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