„Sie gehören uns allen“: Christian Eitner von der Jazzkantine über Volkslieder

Musikalische Wanderer im doppelten Sinn: Die Jazzkantine beim Fototermin im Harz mit (hinten von links) Schlagzeuger Andy Lindner, Keyboarder Simon Grey, Rapper Tachiles, Bassist Christian Eitner, Trompeter Christian Winninghoff, Gitarrist Tom Bennecke, DJ Air-Knee sowie (vorn von links) Saxofonist Heiner Schmitz und und Rapper Cappuccino. Foto: Another Dimension

Mitte der 90er hat die Braunschweiger Formation Jazzkantine zum ersten Mal in Deutschland Jazz und HipHop in einen Topf geworfen, und seitdem schmeckt es immer wieder. Nun hat die neunköpfige Band ein Album mit 15 deutschen Volksliedern aufgenommen. Wir sprachen vor dem Konzert am Montag im Kasseler Theaterstübchen mit Bassist Christian Eitner (46).

Herr Eitner, zuletzt haben Sie mit der Jazzkantine Heavy-Metal-Songs verjazzt. Wie sind Sie nun auf Volkslieder gekommen?

Christian Eitner: Auf den ersten Blick sieht das tatsächlich aus wie ein gewagter Sprung. Für uns war er jedoch nachvollziehbar. Immer wieder haben wir in alten deutschen Texten rumgestöbert. Im Sommer haben wir einige Lieder bei einem Jazzfestival ausprobiert und tolles Feedback erhalten. Viele Volkslieder waren ja lange Zeit verpönt in Deutschland. Dabei sind sie die Wurzeln deutscher Popmusik. Wir wollen einen Beitrag leisten, dass sie wiederentdeckt werden und nicht aussterben. Uns reizte vor allem, sie neu zu verpacken - auch wenn es dafür die eine oder andere Ohrfeige geben wird.

Von wem: den Jazz-Fans oder den Volkslied-Liebhabern?

Eitner: An Letztere habe ich noch gar nicht gedacht. Unter den Jazz-Fans waren auch erst einige, die dachten: „Was soll das denn mit den Metal-Songs?“ Und dann war die CD doch Nummer eins in den deutschen Jazz-Charts. Unser neues Album liefert einen guten Querschnitt: von Liebesliedern wie „Du, du liegst mir am Herzen“ über politische Stücke wie „Die Gedanken sind frei“ bis zu Wanderliedern wie „Im Frühtau zu Berge“. Dazu kommen Eigenkreationen wie der Sprachtext unseres Rappers Tachiles, der aus der Sichtweise des in Deutschland aufgewachsenen Türken erzählt.

Haben Sie ein Lieblingslied?

Eitner: Besonders schöne Erinnerungen habe ich an „Kein schöner Land“, das wir schon 2003 auf einer Tour mit dem damaligen Bundspräsidenten Roman Herzog durch Südafrika verjazzt haben. Wir waren Kulturbotschafter und sind bei einem Empfang in der deutschen Botschaft in Kapstadt vor Nelson Mandela aufgetreten, der eine Marimba in Empfang genommen hat. Auf dem neuen Album spielen wir den Titel mit Gastsängerin Pat Appleton von DePhazz.

Singen Sie auch zu Hause?

Eitner: Meine Tochter ist elf. Manchmal hole ich im Urlaub die Gitarre raus, und dann singen wir. Es ist schade, dass wir Deutschen das verlernt hatten. Gerade in Chören zu singen, ist wunderschön. Aber derzeit gibt es ja wieder einen Boom.

Wie kommt es, dass Sie schon Wochen vor der Albumveröffentlichung in Kassel auftreten?

Eitner: Wir wollen sehen, ob unser Programm funktioniert. Normalerweise spielen wir vor 1000 Zuschauern wie beim Jazzfestival in Burghausen. Das Theaterstübchen bietet dagegen einen familiären Rahmen. Wir wissen nur noch nicht, ob wir alle auf die Bühne passen.

Nach Metal und Volksliedern: Was kann jetzt noch kommen für die Jazzkantine?

Eitner: Erst einmal wollen wie wieder ein normales Studioalbum aufnehmen und nicht schon wieder Cover-Songs. Wobei: Volkslieder sind ja auch unsere Lieder - sie gehören uns allen.

Montag, 20 Uhr, Theaterstübchen, Jordanstraße 9, Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Das Album „Jazzkantine spielt Volkslieder“ erscheint am 23. März bei Polydor/Universal.

Von Matthias Lohr

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