Dirigent Patrik Ringborg über Abba und sein Tribute-Konzert

„Sie hatten so viele Hits“

Kassel. So viel Schweden wie an diesem Freitag war vielleicht noch nie im Staatstheater: Der aus Stockholm stammende Generalmusikdirektor Patrik Ringborg leitet „Abba - The Symphonic Celebration“, bei der das Staatsorchester die Hits des Pop-Quartetts in neuem Gewand präsentiert. Wir sprachen mit dem 44-Jährigen über seine erfolgreichen Landsleute.

Herr Ringborg, können Sie sich noch an Ihren ersten Abba-Song erinnern?

Patrik Ringborg: Ich habe 1974 als Achtjähriger beim Grand Prix mitgefiebert, als Abba mit „Waterloo“ gewannen. Und schon vorher habe ich Hits wie „Ring, Ring“ gehört. Das große Interesse an ihrer Musik kam allerdings erst später. Das lag daran, dass ich schon mit zehn Jahren auf Oper eingestellt war und mit elf auf Wagner. Ich erinnere mich auch, dass ich mit zwölf ein Ballett mit Abba-Melodien in der Stockholmer Oper gesehen habe. Das war toll.

Abba sind nach den Beatles die erfolgreichste Musikgruppe. Noch heute werden täglich 3000 Platten verkauft. Was macht Abba so besonders?

Ringborg: Davon abgesehen, dass es eine schwedische Gruppe ist (lacht), vor allem der Klang. Alle Großen der Musik haben ein unverkennbares Wasserzeichen. Während der Vorbereitung auf unser Konzert habe ich einige Stücke gehört, die ich noch nicht kannte, aber ich wusste sofort: Das ist Abba.

Pop hat auch immer etwas mit Politik und Rebellion zu tun, aber Abba waren immer nur die Gute-Laune-Band, oder?

Ringborg: Genau deshalb ist Pop eben nicht immer politisch. Obwohl es natürlich auch politischere Stücke von Abba gibt - zum Beispiel „Money, Money, Money“.

Wie kamen Sie auf die Idee, sich vor Abba zu verneigen?

Ringborg: Zum einen wollten wir dem Publikum, das unsere Abende mit Filmmusik und Beatles-Liedern begeistert aufgenommen hat, etwas Neues bieten. Zum anderen war es schon immer ein großer Wunsch von mir, dieses Programm, das vor einigen Jahren für die Göteborger Oper arrangiert worden ist und dort sehr erfolgreich lief, in Kassel zu spielen.

Erwartet die Besucher mehr als nur eine Hitshow?

Ringborg: Das Problem bei Abba ist: Sie hatten so viele Hits, dass ein Konzert niemals ausreichen würde. Wir haben ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt mit vielen Hits und einigen weniger bekannten Liedern. Es wird ein Großaufgebot mit vier Abba-Sängern und vier Sängern im Hintergrund geben, einer fünfköpfigen Band und dem Staatsorchester.

Björn Ulvaeus sagt, dass Abba ähnlich melodieorientiert gearbeitet haben wie Mozart und Verdi. Sehen Sie das auch so?

Ringborg: Vergleiche mit Mozart sind immer lebensgefährlich. Der englische Theaterregisseur Peter Brook hat einmal gesagt, dass sich Volk und Kunst nie so nahe kamen wie bei Verdi und den Italienern. Er hat die Volksseele getroffen. Das gilt auch für Abba.

Pop in Concert: Abba - The Symphonic Celebration. Premiere: Morgen, 19.30, Opernhaus (ausverkauft). Weitere Aufführungen am 20. Mai und 1. Juli sowie als Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit am 24. September. Karten unter 0561/1094-222.

Von Matthias Lohr

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