Sieg zum Auftakt: Oratorium „Joshua“ eröffnete Göttinger Händel-Festspiele

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Festspielstart nach Maß: Laurence Cummings, künstlerischer Leiter der Göttinger Händel-Festspiele.

Göttingen. Zu den spektakulärsten Helden des Alten Testaments zählt Josua (englisch: Joshua), Moses Nachfolger, der mit seinem israelitischen Heer unter Zuhilfenahme von Posaunen die Mauern von Jericho zum Einsturz brachte.

Ein idealer Stoff für den Komponisten Georg Friedrich Händel, um ein Sieges-Oratorium zu Ehren des britischen Königs George II. zu schreiben.

Dessen Sohn Wilhelm August hatte 1745 einen Angriff des katholischen Prinzen Charles Edward Stuart auf London abgewehrt - ein wichtiger Sieg des zweiten britischen Königs aus dem Hause Hannover, der die Personalunion der beiden Häuser auf lange Zeit befestigte.

Um diese vor 300 Jahren mit der Thronbesteigung Georgs I. etablierte Personalunion drehen sich in diesem Jahr die Internationalen Göttinger Händel-Festspiele unter dem Motto „Herrschaftszeiten!“. Da bot sich für die Eröffnung Händels Oratorium „Joshua“ aus dem Jahr 1748 förmlich an, ein Werk, das in Göttingen zuletzt vor 50 Jahren aufgeführt wurde.

Das gut zweistündige Oratorium könnte auch als Oper durchgehen, und um die Handlung noch weiter aufzupeppen, hat Händel eine Liebesgeschichte zwischen dem jungen Heerführer Othniel und seiner Geliebten Achsah eingebaut.

Unter der Leitung von Laurence Cummings, der - ebenfalls in Personalunion - die Göttinger und die Londoner Händel-Festspiele künstlerisch verantwortet, wurde das Auftaktkonzert in der ausverkauften Göttinger Stadthalle zu einem heftig gefeierten Erfolg. Wesentlichen Anteil daran hat der NDR-Chor, der als Verkörperung des israelitischen Volkes stark in Szene gesetzt wurde. Etwa im von Trompeten und Hörnern (aber ohne Posaunen) begleiteten Triumphgesang „Glory to God!“ beim Einsturz der Mauern von Jericho, dann im verhaltenen Chor der (zwischenzeitlich) geschlagenen Israeliten und besonders im triumphal endenden Satz „See the conq’ring hero comes!“, dessen Melodie eine Zweitkarriere als Weihnachtslied „Tochter Zion“ machte.

Solistisch wurden der Titelheld Joshua (mit feinem Tenorschmelz versehen von Kenneth Tarver) und der alte Israelit Caleb (Tobias Berndt mit voluminösem Bass) von Händel weniger spektakulär bedacht als das junge Paar. Anna Dennis setzte als Achsah nach verhaltenem Beginn mit großer stimmlicher Leuchtkraft die feinsten Akzente, und Renata Pokupic stand ihr als Othniel kaum nach. Das Festspielorchester sorgte unter Laurence Cummings’ souveräner Leitung mit temperamentvollem Spiel für den angemessenen Soundtrack - ein Festspielstart nach Maß.

Samstag, 18 Uhr, Deutsches Theater: Opernpremiere „Faramondo“. Noch Restkarten.

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