Silberjungs auf Goldkurs: Die Göttinger Band Stahlmann

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Keine Angst, die wollen nur spielen: Die Göttinger Band Stahlmann mit Sänger Martin Soer alias Mart (Mitte).

Göttingen. Früher wurde die Göttinger Band Stahlmann als Rammstein-Kopie belächelt. Nun aber hat es das Quintett mit Neuer Deutscher Härte in die Charts geschafft.

Am heißesten Tag des Jahres musste Martin Soer alle drei Minuten neu geschminkt werden. Das Thermometer zeigte 40 Grad im Schatten und der Sänger aus Göttingen drehte mit seiner Band Stahlmann in einem Steinbruch im Erzgebirge das Video zur Single „Plasma“.

Mit seinem Quintett zählt Soer, den alle nur Mart nennen, zum Genre „Neue Deutsche Härte“. Die Musik ist ein Mix aus Metal, Industrial und Gothic. Genau so klingt auch der Bandname Stahlmann, und genau so sehen auch die Musiker aus, die schwarze Klamotten tragen und sich silbern anmalen. An diesem Tag aber war es so heiß, „dass das Silberzeug in zwei Minuten runtergeschwitzt war“, wie Soer sagt.

Der schweißtreibende Dreh hat sich für Stahlmann gelohnt. Auch wegen des Videos hat es das vierte Album „CO2“ auf Rang 22 der deutschen Charts geschafft. Das ist selbst in Zeiten sinkender CD-Verkäufe ein ungewöhnlicher Erfolg für Musiker, die nicht gerade Mainstream-Pop, Schlager oder HipHop machen. Wenn das so weitergeht, nehmen die Silberjungs Kurs auf eine Goldene Schallplatte.

Für den gelernten Koch Soer, der aus Osterode im Harz stammt und nach dem Wehrdienst im Musikgeschäft landete, ist es der bisherige Karrierehöhepunkt. Vor sieben Jahren feierte er mit einem Kumpel in seinem Göttinger Stammclub Exil. Zuvor hatte er mit der Formation Reizwolf Deutschrock gemacht. Nun wollten die Freunde etwas Neues.

Mit Haarspray auf die Bühne 

Im Dönerladen kamen sie auf die Idee, als Band im silbernen Outfit aufzutreten. Anfangs benutzten sie noch Haarspray, und einige fragten: „Was sind das für Silberspacken?“ Mittlerweile haben Stahlmann eine Bodypainting-Firma als Sponsor, ihre Shows sind spektakulär, und von ihrer Musik können sie sogar leben. „Es reicht, um die Miete zu bezahlen“, sagt Soer, der zudem ein Tonstudio in Seulingen bei Duderstadt betreibt.

Er ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied. Seine Band-Kollegen kommen aus Duisburg, Koblenz, Nürnberg und Cottbus, aber den Sound bestimmt weiterhin Soer. Auf „CO2“ kommen zu den harten Gitarrenriffs und den eingängigen Melodien auch mal Dubstep-Beats. Trotzdem klingen Stahlmann immer noch irgendwie nach Rammstein.

Für Deutschlands erfolgreichsten Rock-Export wurde einst das Schlagwort von der „Neuen Deutschen Härte“ erfunden. Dabei gab es auch schon vorher Bands, die heavy klangen und deutsch sangen. Sein Alter verrät Soer nicht, dafür gesteht er, „dass ich noch nie eine Rammstein-Platte besessen habe“. Der ständige Vergleich sei ihm egal.

Wie eigenständig Stahlmann mittlerweile sind, kann man im Oktober auch in Russland erleben. Dann gastiert die Band in Moskau und St. Petersburg. Soer weiß jetzt schon, dass die Fans dort wieder jede Zeile mitsingen werden. Das schaffen sonst nur Rammstein.

Stahlmann: CO2 (Afm Records/Soulfood).

Wertung: vier von fünf Sternen

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