Simone Solga im Theaterstübchen: Krim gegen Sylt tauschen

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„Saaagen Sie mal“: Simone Solga überzeugte mit ihrem Auftritt im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Eilig kommt die Dame aus dem Kanzleramt auf die Bühne. Ausgestattet mit schwarzem Bleistiftrock, schwarzer Seidenbluse, hohen Lackpumps, einer Flechtledertasche des Edeldesigners Bottega Veneta und einer Aktenmappe. Als Kabarettistin begibt sich Simone Solga, die am Donnerstag mit ihrem Programm „Im Auftrag der Kanzlerin“ im Theaterstübchen auftrat, in die Rolle der Beraterin und Assistentin von Angela Merkel.

Ja, sie suche die Farbe der Blazer aus, und die Raute habe auch sie erfunden. Ihre Chefin ließe sich entschuldigen, da sie jeden Tag mit Putin telefonieren müsse. Jüngst hätte sie ihm angeboten, auf die Krim zu verzichten und dafür Sylt zu kriegen. Aber, sagte Simone Solga, das seien natürlich ganz vertrauliche Informationen.

Als Mitarbeiterin des Kanzleramts entgeht ihr nichts. Die große Koalition befände sich derzeit auf einer Schmusewelle. Der Gabriel lobe die Merkel über den Klee, „wenn sich alle Windkraftanlagen so schnell drehen würden wie er, dann wäre der Strom bald billiger“. Diese Sozialdemokraten hingen sich das Wort „sozial“ an die Wand wie Christen das Gold.

Mit links versteht es Solga, Nähe zu den Zuschauern herzustellen. Ihre Rolle spielt sie perfekt und mit viel Glanz. Es ist, als träfen wir sie auf der Treppe eines Wohnhauses für Besserverdienende, als hielte sie einen Schwatz mit uns.

Mit gekonnter Gestik hält sie ab und an die Hand vor das Gesicht und bringt in leicht sächsischem Tonfall Floskeln wie „das gibt es gar nicht“, „saagen Sie mal“, „es ist unglaublich“ - so wie es auch die Nachbarin macht, wenn sie von Politik redet. Der ausgebildeten Schauspielerin gelang es, das Publikum fast zwei Stunden lang witzig, hochkarätig und intelligent zu unterhalten. Ohne boshaft oder ätzend zu werden. Großer Beifall.

Von Gesa Esterer

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