Wieso wir vor dem Finale des Eurovision Song Contest einer Abiturientin aus Hannover verfallen sind

Wir sind alle ein bisschen Lena

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Klauen uns die Norweger jetzt schon unsere Lena? Nein, Lena Meyer-Landrut (19) sang am Dienstag in Oslo mit dem Norweger Didrik Solli-Tangen nur ein Liebeslied auf einem Segelschulschiff.

Egal wie Lena Meyer-Landrut beim morgigen Grand-Prix-Finale abschneidet - einen Sieg hat sie in Oslo schon errungen. Es war auf einer Pressekonferenz, als eine RTL-Reporterin fragte, wer aus ihrer „Family“ mitgekommen sei.

Mittlerweile wissen selbst Kindergartenkinder, dass die 19-Jährige nicht über Privates redet. Lena antwortete nur „Nöööt“. Auf die Nachfrage, ob Familie immer tabu sei, nuschelte sie: „Mmh.“ Dann riet ihr Entdecker Stefan Raab der Journalistin: „Müsst ihr euch was anderes aus der Nase ziehen. Irgendwie Häuser-Versteigerungssendungen oder so.“ RTL hätte gar nicht fragen müssen. Die Sängerin beantwortet alle Fragen auf ihrem Album. Eine Annäherung an das Phänomen Lena anhand der Songtitel von „My Cassette Player“.

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Wonderful Dreaming: Diese Karriere ist ein wunderbarer Traum. Im Februar erfuhr Lena, dass sie es unter die 20 Finalisten von Raabs Casting-Show „Unser Star für Oslo“ („USFO“) geschafft hatte. Bis dahin war sie eine mehr oder weniger normale Gymnasiastin an der Integrierten Gesamtschule Roderbruch. Die Enkelin des ehemaligen deutschen Botschafters in Moskau lebte bei ihrer Mutter, hatte Tanzunterricht, seit sie fünf war, aber nie Gesangsunterricht. Sie konnte kein Instrument spielen, keine Noten lesen und hatte vor „USFO“ noch nie in der Öffentlichkeit gesungen. Trotzdem stand sie praktisch schon nach der ersten Folge als Siegerin fest.

Love Me: Machen eigentlich alle und erwarten von ihr ganz nebenbei den ersten deutschen Sieg beim Eurovision Song Contest seit Nicole 1982. Es würde einen nicht wundern, wenn Angela Merkel ihr auch noch die Griechenland-Krise anvertraut und Jogi Löw sie als Ersatz für Michael Ballack mit zur Fußball-WM nimmt. Dieser Druck ist unmenschlich, aber Lena bleibt scheinbar ganz cool.

I Just Want You Kiss: Wollen auch ganz viele. Schon wegen der Lippen, die nach Mezzo-Mix schmecken. Nach eigenen Angaben trägt Lena gern Lippenstift mit Cola- und Fanta-Geschmack, was Mezzo-Mix ergibt. Mit diesen Lippen singt Lena einen englischen Akzent, der an den Cockney-Slang ihres Vorbilds Kate Nash erinnert. Sprachexperten mäkeln zwar, dass Lena wie ein Skandinavier klingt, der die Kunstfigur Ali G. imitiert, cool ist es aber trotzdem. Genauso wie ihr Armrudern, mit dem sie bei einem Joe-Cocker-Ähnlichkeitswettbewerb gute Chancen hätte.

You Can’t Stop Me: Niemand wird Lena stoppen. Manche erkennen in ihr schon eine neue Nena - nur dass man sich für Lenas Nena nicht schämen muss. Früher träumte sie davon, Schauspielerin zu werden. Ihre Mutter verhinderte, dass sie mit 16 die Schule schmiss, um eine Schauspielschule zu besuchen. Nachdem sie für eine RTL-Serie nackt in einen Pool gesprungen war, lernte sie, dass der Boulevard selbst aus so einem Blödsinn einen Skandal macht.

Gerade hat Lena erzählt, dass sie „ein Gefühl transportieren und Menschen berühren“ will. Das hat sie schon geschafft. Sie hat auch von ihrem Traum erzählt, einen Bauernhof und eine Harley-Davidson zu haben. Das wäre mal eine Geschichte für RTL: Grand-Prix-Siegerin fährt im Hühnerstall Motorrad.

Von Matthias Lohr

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