Hype im sozialen Netzwerk

Wir sind Comic-Helden: Die App Bitstrips ist der Trend bei Facebook

Das Internet, hat der US-Journalismus-Professor Orville Schell gesagt, ist wie Radioaktivität: „Einmal freigesetzt, ist es kaum wieder einzudämmen.“ Ganz ähnlich ist es mit der App Bitstrips, die Facebook gerade mit bunten Comic-Bildern überschwemmt.

Angeblich hat die Anwendung zehn Monate nach ihrem Start bereits 20 Millionen Nutzer weltweit. Mittlerweile sehen Facebook-User jeden Tag irgendwo die lustigen Comics.

Das Prinzip ist einfach: Mit der App des kanadischen Start-ups Bitstrips können die Nutzer Avatare von sich erschaffen und in vorgefertigte Bildstreifen einbauen. Man wählt Merkmale wie Gesichtsform, Hautfarbe und Kleidung aus - und fertig ist der eigene Comic-Held. Bei vielen ersetzen die Bilder schon die herkömmliche Statusaktualisierung. Statt zu schreiben, dass man sich aufs Wochenende freut, postet man ein Bildchen, auf dem das eigene Ich einen Stapel Blätter durchs Büro wirft. Darunter steht: „Matthias liebt Freitage“.

Das Programm gibt es für Computer sowie als Anwendung für Apple- und Android-Geräte. In den App-Charts rangiert Bitstrips in den Top Ten. Ursprünglich gehörten die Bilder zu einer Lernsoftware und waren Teil einer Anti-Mobbing-Kampagne in Schulen. Nun kann man mit ihnen seine Facebook-Freunde bloßstellen.

Der Journalist Tobias Zihn (36), der aus Wildeck-Bosserode im Kreis Hersfeld-Rotenburg stammt und in Köln lebt, mag die Bildchen, „weil sie in witziger Weise pointiert Dinge auf den Punkt bringen“. Unsere Mitarbeiterin Pamela de Filippo fand sie „einfach lustig“. Mittlerweile ist die 34-Jährige aus Kassel jedoch genervt, „weil es alle machen“.

Bitstrips polarisiert aus mehreren Gründen. Die Anwendung benötigt Zugriff auf den Facebook-Account und ist der Albtraum aller Datenschützer. Manche halten die kindlichen Comic-Avatare für kitschig und das ganze Ding für einen sinnlosen Zeitfresser. Für Genervte hat Facebook eine Blocker-Funktion eingebaut. Man kann „Alles von Bitstrips verbergen“ auswählen und bleibt verschont.

Das Gute am Internet ist übrigens die im Vergleich zur Radioaktivität sehr viel geringere Halbwertszeit. Oder kann sich noch jemand an „Second Life“ erinnern, bei dem sich vor einigen Jahren ebenfalls alle Avatare anlegten und das nun so vergessen ist, wie es Bitstrips womöglich bald sein wird? www.bitstrips.com

Von Matthias Lohr

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