In Wolfhagen holt die Rockband BAP ihre Klassiker hervor

Sind wir hier in Kölle?

„Für ’ne Moment“ allein auf der Bühne: BAP-Sänger Wolfgang Niedecken. Foto: Müller

Wolfhagen. Das Licht geht aus, und es ertönt Glockengeläut. Für einen Moment scheint der Kölner Dom zum Greifen nah. Nach fünf Minuten betritt Wolfgang Niedecken in Jeans und T-Shirt die Bühne. Allein. Mit Mundharmonika und Gitarre. Der Frontsänger der Rockband BAP stimmt „Für ’ne Moment“ an. Er singt von ein paar Chaoten, die sich 1976 in einem Proberaum in Köln trafen, um einen Kasten Bier leer zu spielen. 35 Jahre später wissen die 1100 Fans im Wolfhager Kulturzelt, wo die Reise ihrer Idole an diesem Abend hingeht: zu den Klassikern vergangener Tage.

Aber nicht nur das, die sechsköpfige Besetzung stellt auch ihr neues Studioalbum „Halv su wild“ vor, überzeugt dabei mit geradliniger Rockmusik wie etwa beim Titelsong oder Niedeckens neuer Heimathymne „Chlodwigplatz“.

Das Publikum singt gewohnt textsicher mit, tanzt, klatscht. Mitunter wirkt es wie ein Klassentreffen der Jahrgänge ’49 bis ’69, die sich lange nicht gesehen und viel zu erzählen haben.

Nicht immer sind die Geschichten leicht bekömmlich, wie bei „Noh Gulu“, das von Kindersoldaten in Uganda handelt, für die sich Niedecken einsetzt. Oder „Kristallnaach“ - in etlichen Schulunterrichten fehlinterpretiert, weil es weniger den deutschen Nationalsozialismus thematisiert, als mehr die damalige Militär-Junta in Griechenland sowie den Rechtsruck allgemein.

Immer wieder authentisch

Als die drei ersten Akkorde von „Verdamp lang her“ erklingen, ist die Stimmung in Wolfhagen auf dem Höhepunkt. Obwohl x-mal gesungen, wirkt es immer wieder authentisch. Das Gespräch, das der 60-jährige Niedecken mit seinem Vater zu dessen Lebzeiten nie geführt hat, ist die Hymne der BAP-Anhänger. 1981 hatte es der Song gerade noch auf das „Für usszeschnigge“-Album geschafft, wenig später stand er für den Durchbruch der Kölner.

Vor der ersten Zugabe singen die Fans minutenlang „Oh, wie ist das schön“. Niedecken ist überwältigt: „Sind wir hier in Kölle oder was? Danke für die fantastische Mitarbeit.“ Und BAP bedankt sich mit noch mehr Raritäten. Wie „Alexandra, nit nur do“, „Drei Wünsch frei“ oder dem ultimativen Liebeslied „Do kann’s zaubere“.

Nach fast drei Stunden geht die Zeitreise zu Ende. Mit „Helfe kann dir keiner“, der Neil-Young-Adaptation von „Cow-girl In The Sand“, Niedeckens erstem Songtext auf Kölsch, den er 1976 am Küchentisch in der Teutoburger Straße 5 in Köln geschrieben hat.

Von Torsten Kohlhaase

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