Wir sind reif fürs Museum: Intels faszinierende Facebook-App

Die Freunde kennt man doch: Rundgang durch die Facebook-Ausstellung unseres Autors. Sreenshots: nh

Das schönste Monument Kassels ist vielleicht das Ich-Denkmal von Hans Traxler am Brüder-Grimm-Platz. Es ist ein Sockel, auf den jeder steigen kann und von dem aus man sich fotografieren lassen kann, denn, so heißt es auf einer Tafel: „Jeder Mensch ist einzigartig.“

Der US-Chip-Hersteller Intel hat genau nach diesem Prinzip das vielleicht schönste Museum der Welt geschaffen. „The Museum of Me“ ist eine App, mit der jeder Facebook-Nutzer seine ganz persönliche Ausstellung erstellen kann - sie ist faszinierend, aber auch ein bisschen beängstigend.

Nach einem Klick auf www.intel.com/museumofme greift das Programm auf sämtliche Profil-Informationen zu, anschließend macht der virtuelle Kurator aus unserem Leben eine Ausstellung in mehreren Räumen. Man sieht die Porträts seiner Freunde an der Wand; aus den Statusmeldungen, die man irgendwann einmal ins Netz gestellt hat, werden Collagen; und am Ende des dreiminütigen Videos mit Musik des japanischen Künstlers Takagi Masakatsu setzen Roboterarme die Bilder zu einem großen Puzzle zusammen, das wiederum zum eigenen Porträt wird.

Zu Intels Film "The Chase"

Zusätzlich kann man einen virtuellen Katalog hochladen, der die Freunde überrascht. „Oh, ich bin ein Exponat in deinem Museum“, schrieb einer. Andere User fühlten sich beim Betrachten wie Neo im Science-Fiction-Film „Matrix“, in dem es um die Simulation von Realität geht. Manche meinten auch, das ganze wirke wie ein Nachruf.

Seitdem das Programm am 1. Juni an den Start ging, haben es fast eine halbe Million User per Facebook-Button für gut befunden - und das obwohl Datenschützer vor der Anwendung warnen würden.

Letztlich ist die von einer japanischen Agentur umgesetzte Kampagne nur Werbung für den neuen Core-Prozessor von Intel. Zuletzt hatte das Unternehmen aus Kalifornien bereits mit dem Film „The Chase“ für Aufsehen gesorgt: Er zeigt eine unglaubliche Agenten-Verfolgungsjagd, gegen die selbst der rasante Kult-Streifen „Matrix“ altbacken wirkt. iPad-Nutzer konnten in einem Spiel sogar in die Rolle der Agentin schlüpfen.

Die neuen Möglichkeiten des Internets sind also nahezu unbegrenzt. Auf die Frage, wer wir eigentlich sind, bietet aber auch Intels „Museum of Me“ keine Antwort. Das werden vermutlich erst spätere Historiker-Generationen beantworten - in einem echten Museum.

Von Matthias Lohr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.