Sinfoniekonzert in Kassel: Wagner als Zentralgestirn 

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Animierte das Staatsorchester zu einer Glanzleistung: Francesco Angelico beim Sinfoniekonzert in der Kasseler Stadthalle.   

Drigient Francesco Angelico und das Staatsorchester Kassel präsentierten in einem fulminanten Konzert Musik von Bellini, Wagner und Schönberg. Gefeierte Solistin war die Altistin Okka von der Damerau.

 Im Kasseler Opernhaus wird derzeit Richard Wagners „Tristan und Isolde“ gespielt. Wie ein Kommentar zu diesem gewaltigen Musikdrama, auch wie eine Erweiterung, wirkte das Sinfoniekonzert des Staatsorchesters am Montag in der nicht ganz ausverkauften Kasseler Stadthalle unter der Leitung von Generalmusikdirektor Francesco Angelico. Und dies nicht nur, weil Wagners „Wesendonck-Lieder“ auf dem Programm standen, die der Komponist selbst als Studien zu „Tristan und Isolde“ bezeichnete.

Schon die eingangs gespielte Ouvertüre (Sinfonia) zur Oper „Norma“ des von Wagner sehr geschätzten Vincenzo Bellini ließ etwas von Wagner’scher Intensität ahnen. Das Bläser-Echo auf die schlagenden Anfangsakkorde kam herb, nicht harmlos getupft wie in vielen Interpretationen. Hier wurde nichts zurückgenommen. Dichte, farbgesättigte melodische Partien der Bläser wurden durch nervös drängende Streicherpizzicati in Unruhe versetzt. Eine Interpretation von großer Dichte.

Und ein Doppelpunkt vor den fünf Liedern nach Gedichten von Mathilde Wesendonck, Wagners angebeteter Muse in seiner Züricher Asylzeit. In der Instrumentation durch den Dirigenten Felix Mottl wird die Nähe zur „Tristan“-Musik noch deutlicher als bei Wagners Klavierfassung. In den zweiten „Tristan“-Akt versetzt fühlte man sich bei dem Lied „Träume“, das die Altistin Okka von der Damerau, Gastsängerin von der Münchner Staatsoper, mit einer wunderbaren Mischung aus Zartheit und Klarheit interpretierte. Welch herausragende Wagner-Sängerin von der Damerau ist, offenbarte sie in der nahtlosen Verbindung von liedhafter Sensibilität und großer Operngeste – bei perfekter Diktion.

Natürlich ist Arnold Schönbergs im zweiten Teil gespielte symphonische Dichtung „Pelleas und Melisande“ nicht einfach mit Wagners „Tristan“ zu vergleichen. Und doch gibt es Parallelen. Auch das zugrunde liegende Schauspiel Maurice Maeterlincks handelt von einer tödlich endenden Liebe in einer Dreieckskonstellation. Und auch Schönbergs – hier noch tonale – Musiksprache ist geprägt von leitmotivischen Fortschreitungen.

Dabei treibt Schönberg in seinem vierzigminütigen Werk die klangliche Differenzierung im riesig besetzten Orchester auf die Spitze. Eine düstere, geheimnisvolle Atmosphäre lastet über der Musik, die dennoch äußerst plastisch konkrete Szenen wie die Begegnung an einem Springbrunnen, den Mord des eifersüchtigen Golo an Pelleas und am Ende Melisandes Trauer und Tod ausmalt.

Francesco Angelico animierte das Staatsorchester zu einer Glanzleistung: Ausdrucksstark und variabel war das Spiel, suggestiv und von einer starken musikalischen Idee getragen. Jubelnder Beifall für einen außergewöhnlichen Konzertabend.

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