1. Startseite
  2. Kultur

Das umjubelte erste Sinfoniekonzert des Kasseler Staatsorchesters mit Brahms und Schumann

Erstellt:

Kommentare

 Solistin Carolin Widmann beim Sinfoniekonzert des Kasseler Staatsorchesters unter Leitung von Francesco Angelico in der Kasseler Stadthalle.
Exquisit: Solistin Carolin Widmann beim Sinfoniekonzert des Kasseler Staatsorchesters unter Leitung von Francesco Angelico in der Kasseler Stadthalle. © Andreas Fischer

Das erste Sinfoniekonzert der Saison, am Pult der beliebte GMD Francesco Angelico, eine Spitzengeigerin als Solistin, die Kasseler Stadthalle fast voll, auf dem Programm zwei Großromantiker

Kassel – Es wurde ein umjubelter Montagabend, auch wenn (gerade weil?) die beiden präsentierten Stücke durchaus nicht in die Rubrik „Leichte Klassik“ einzuordnen sind.

Robert Schumanns Violinkonzert ist sein letztes Orchesterstück. Da es lange als Vorbote oder sogar schon als Ausdruck der nahen Geisteskrankheit angesehen wurde, fand seine Uraufführung erst 1937 statt, und das auch noch unter unwürdigen Umständen. Bis heute fassen es viele Geiger und Dirigenten mit spitzen Fingern an. Nicht so Carolin Widmann, die das d-Moll-Konzert auch eingespielt hat.

Statt oberflächlichen Schwelgens verstand es die Geigerin, die in den großen Konzertsälen der Welt zu Hause ist, all das zu bergen, was Schumann hineingelegt hatte: stets mitleidend, mitfühlend, mitdenkend tastete sie sich an die Abgründe heran, oft fast quälend gedehnt, dann hauchzart und geisterhaft Zerbrechlichkeit offenlegend. Unglaublich, welche Palette an Ausdrucksmöglichkeiten Widmann ihrer bald 250 Jahre alten Guadagnini-Geige zu entlocken versteht. Sie war die ideale Solistin für das heikle Konzert. Francesco Angelico und das Staatsorchester waren schon hier höchst aufmerksam bei der Sache und rundeten das rare Musikereignis ab.

Viel bekannter ist die 4. Sinfonie von Johannes Brahms, doch Kost für den schnellen Verzehr ist auch sie nicht. Um die prall gefüllte Dreiviertelstunde nicht einförmig werden zu lassen, bedarf es eines klaren Konzepts und Muts zu Abwechslung. Angelico ermunterte das große Orchester in den ersten drei Sätzen zu einem transparenten Spiel, modellierte immer wieder tänzerische Elemente heraus. Durchsichtigkeit, Klarheit, solistische Höhepunkte gab es en masse. Auch Kenner der Sinfonie konnten viele Details hören, die in anderen Interpretationen unterzugehen drohen. Zwischen den leichter genommenen Passagen gab es, so im zweiten und dritten Satz, immer wieder „Halte-Stellen“, die ohne Nachlassen der Spannung den folgenden Aufschwüngen Raum öffneten. Im Finale wählte der Dirigent dann einen dickeren Pinsel, schraubte das Orchester stufenlos zum großen Ende hinauf.

Das Publikum dankte dem sichtbar erleichterten Orchesterleiter und allen einzeln hervorgehobenen Instrumentengruppen mit langem, begeistertem Beifall für das exquisite Konzert.

Autor: Johannes Mundry

Konzert für Wagnerfans

„Ring in Concert“, das Sonderkonzert für Filmmusikfans und Wagnerianer, kehrt zurück ins Kasseler Opernhaus: Ab Sonntag, 16.10., bringt das Staatsorchester Musik Richard Wagners und Filmmusik von John Williams zusammen. Dazu gibt es Kurioses aus dem Leben Wagners.

Dirigent: Mario Hartmuth, Solistin: Sam Taskinen. So., 16.10., 19.30 Uhr, 9 Euro. staatstheater-kassel.de

Auch interessant

Kommentare