Sinfonischer Sound: Ernst Hutter und seine Egerländer

Ernst Hutter, seit zehn Jahren Leiter der Egerländer Musikanten, bläst beim Redaktionsbesuch eine Marching Bone. Archivfoto: Fischer / nh

Kassel/Göttingen. Sie nennen sich das „erfolgreichste Blasorchester der Welt“: die Egerländer Musikanten. Übertrieben ist das nicht. Vor zehn Jahren übernahm Ernst Hutter das traditionsreiche Blasorchester, das nach dem Tod des Gründers Ernst Mosch im Jahr 1999 vor einer ungewissen Zukunft stand.

Seitdem hat sich das Ensemble, das aus Spitzenmusikern deutscher Profiorchester besteht, weiter entwickelt und neue Fans in aller Welt gewonnen.

Wegen des großen Erfolgs der Jubläumstournee, die unter dem Motto „Lebensfreude“ steht, gehen die Egerländer ein weiteres Jahr mit diesem Programm auf Reisen und gastieren am 20. März 2011 in Göttingen.

Hatte Ernst Hutter vor zehn Jahren die Formation zunächst verkleinert und solistischer ausgerichtet, so geht nun die Entwicklung der Egerländer in die entgegengesetzte Richtung. „Wir haben die Melodiegruppe mit Tenorhorn und Flügelhorn um drei Musiker aufgestockt“. Der Grund: „Viele wünschen sich einen großen, sinfonischen Sound.“ Den können die Egerländer jetzt mit 19 Musikern bei Live-Konzerten bieten, dazu kommt noch das bewährte Gesangs-Duo mit Katharina Praher und Nick Loris.

Auch die Rolle von Ernst Hutter selbst hat sich geändert. Nun steht er nicht mehr eingereiht unter den Musikern, sondern als spielender Bandleader vor dem Orchester.

Dass die Egerländer deshalb nichts an solistische Qualität eingebüßt haben, das beweisen sie im neu zusammengestellten Solisten-Medley. Außerdem bot die Vergrößerung des Ensembles die Möglichkeit, neue junge Musiker in den Orchesterpool aufzunehmen. „Wir haben in jeder Gruppe inzwischen auch Leute von Mitte zwanzig“, sagt Hutter nicht ohne Stolz.

Dass die Egerländer ihr seit Ernst Moschs Zeiten berühmtes perfekt swingendes Spiel weiter pflegen, dafür steht Ernst Hutter, der selbst ein exzellenter Virtuose ist, auch beim aktuellen Programm, das unter anderem einen zum 10. Todestag Ernst Moschs komponierten Gedächtnismarsch enthält.

Neue Impulse empfingen die Egerländer auch von einer Reise in die böhmische Urheimat des Ensembles - nach Eger. Im kommenden Jahr erscheint eine DVD dieser die Auftritte - teils gemeinsam mit tschechischen Orchestern.

Gerade die jungen Musiker nehmen stark die Einflüsse der slawischen Blasmusik aus den osteuropäischen Raum wahr. „Sie erfahren unmittelbar etwas von dem kulturellen Hintergrund, der seinerzeit die Egerländer geprägt hat“, sagt Hutter. Es ist ein unmittelbareres Musizieren voller Virtuosität und Spielfreude, wie es etwa auch bei kroatischen und rumänischen Bandas zu beobachten ist - nicht selten vermischt mit Einflüssen der Zigeunermusik.

Für Hutter ist für diese musikalische Welt, die sich mit dem Wegfall des Eisernen Vorhangs auftat, ein großer Gewinn. Die Egerländer jedenfalls, da ist er sich sicher, sind noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen. • Die Egerländer Musikanten treten auf ihrer „Lebensfreude“-Tournee am 20. März 2011, 18 Uhr, in der Stadthalle Göttingen auf. Karten: Tel. 0561 / 203 204. • Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten: Lebensfreude (Koch Universal Music). Wertung !!!!:

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