Julia Neigel mit Band wurde für ihren leidenschaftlichen Auftritt beim Baunataler Sommer gefeiert

Singen mit ganzer Seele

Die Gefühlssängerin: Julia Neigel in der Baunataler Stadthalle. Foto: Schachtschneider

Baunatal. Als Julia Neigel 1987 mit „Schatten an der Wand“ ihren ersten großen Hit landete, ließ die attraktive Deutschrussin mit ihrer fulminanten rau-zärtlichen Stimme nicht nur die Verkaufszahlen, sondern auch den Pulsschlag männlicher Fans in die Höhe schießen. Dem Ohrwurm folgten die Sonnenstrahlen einer Karriere, ab 1998 aber auch die Schattenseiten und eine achtjährige Schaffenspause. Höhepunkt auf der Frustskala: der Prozess, den sie mit ehemaligen Bandmitgliedern um Urheberrechte führen musste.

Diese Zeit liegt hinter ihr. Ihren Künstlernamen hat sie abgelegt. Aus Jule wurde Julia, und wie neugeboren präsentiert sich die 44-Jährige nun wieder der Öffentlichkeit. Das Fazit gleich vorweg: Ob nun Jule oder Julia, die 220 Besucher, die sie beim Baunataler Sommer in der Stadthalle erlebten, dürften die beste Neigel aller Zeiten gehört haben.

Mit ihrer Drei-Oktaven-Stimme, ihrer Bühnenpräsenz und den Stücken ihres Unplugged-Programms beeindruckte die in Sibirien geborene Künstlerin. Auch weiß sie ihre weiblichen Facetten mit viel Sexappeal im kurzen schwarzen Kleid in Szene zu setzen.

„Stimme mit Flügeln“ heißt ihr Programm. Passend für dieses mitreißende, gefühlsstarke Repertoire, bei dem sie von Simon Nicholls (Flügel), Jörg Dudys (Gitarre) und dem Brasilianer Dalma Lima (Percussion) begleitet wird.

Die Gefühlssängerin öffnet damit ihre Seele, breitet darin ihre Flügel aus und singt mit dieser Gänsehaut-Melange aus Herzschmerz, glühender Leidenschaft und geballter Faust. Zwischen lasziven Tanzeinlagen schwebt sie zu ihren alten Hits, wie „Weil ich dich liebe“ und „Du bist nicht allein“. Oder zu Stücken von Interpreten, die sie verehrt, wie den Italo-Kultsänger Zucchero („Madre Dolcissima“), Duran Duran („Ordinary World“) bis hin zu harten Rockklängen wie „Dig“ von der Band „Incubus“.

Daneben gab es Kostproben von ihrem ersten neuen Studio-Album nach zwölf Jahren - „zum Testen, wie es euch gefällt“. Das neue Album dürfte seinen Weg machen. Stücke wie „Ich fühl es nicht mehr“ zeigen die Neigel pur.

Ein emotionaler Vulkan, der auch zärtlich zu wärmen vermag. „Ich bin ein Musik-Freak“, erzählt sie dem Publikum, kommt von der Bühne, geht durch den Saal und schüttelt nahezu jedem Besucher die Hand.

Am Ende feiert das Publikum sie im Stehen und wird nach Rio Reisers „Lass uns ein Wunder sein“ von einer glücklichen Julia Neigel verabschiedet.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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