Die Gypsy-Ikone Ida Kelarova überraschte mit ungewohnt sanften Klängen in der Kreuzkirche

Singen, um das Glück zu suchen

Mit der Weisheit einer Gypsy-Legende: Ida Kelarova bei ihrem Auftritt in der Kreuzkirche. Foto: Malmus

Kassel. Musik ist ein wesentlicher Bestandteil der Roma- Kultur. Und wenn man bedenkt, dass diese ursprünglich aus Indien stammende und von erzwungenen Migrationsschüben gepeinigte Volksgruppe seit über 600 Jahren auf allen Kontinenten dieser Welt den Kampf um Respekt und Anerkennung führt, kann man sich die immense Bedeutung der Lieder und Texte für deren Selbstwertgefühl gut vorstellen.

„Wir singen nicht, weil wir glücklich sind, sondern weil wir das Glück suchen.“ Dieser Satz stammt von der tschechischen Sängerin Ida Kelarova, die mit ihrem Konzert die neue Saison in der Kasseler Kreuzkirche eröffnete. Eigentlich weilte sie nur für zwei Workshop-Tage in Kassel, doch auf Bitten des künstlerischen Leiters Valentin Reinbold präsentierte sie noch einige Songs aus ihrem aktuellen Bühnenprogramm im gut gefüllten Altarraum.

Begleitet wurde sie dabei von dem Pianisten Roman Horváth, dem Gitarristen und Sänger Desiderius Duda sowie den drei jungen Vokalisten Marie Dudová, Jan Duda und Oto Bunda. Dass sich trotz stimmlicher Qualität und leidenschaftlicher Tiefe die Begeisterung in Grenzen hielt, hatte zwei Gründe.

Zum einen gaben die Kompositionen nicht viel her. Sie verloren sich in undefinierter Langatmigkeit und waren ohne emotionale Nachhaltigkeit. Zum anderen musste man auf die traditionellen Komponenten explosiver Gypsy-Musik verzichten. Kein Feuerwerk, kein Django Reinhardt, kein Nane zocha (Gypsyhymne) - stattdessen in Romani gesungener Italopop mit sanften R’n’B-Einschüben, A-cappella-Jazz und Buena Vista Social Club.

Wenn das die Aktualisierung der Tradition bedeutet, dann endet irgendwann alles in den US-Charts. Doch die grandiose Fähigkeit zur fein intonierten Schichtung sorgte für Spannung, und die charismatischen Einzelstimmen boten Abwechslung.

Und Ida Kelarova schwebte über allem, mit der Weisheit und Erfahrung einer der besten Gypsy-Sängerinnen, die es je gab. Viel Applaus von den Gästen, die nicht vorzeitig die Veranstaltung verlassen hatten.

Von Andreas Köthe

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