Interview: Bärenreiter-Verlegerin Barbara Scheuch-Vötterle über die Bedeutung von Volksliedern

„Singen kann viel bewirken“

50 Lieblingslieder unserer Leser als Bärenreiter-Ausgabe. Foto: nh

mehr als 3200 Leser haben sich im vergangenen Jahr an unserer Wahl der schönsten Volkslieder beteiligt. Auf Platz eins der 50 Lieblingslieder landete „Der Mond ist aufgegangen.“ Aufgrund des überwältigenden Echos hat unsere Zeitung zusammen mit dem Mitteldeutschen Sängerbund eine Reihe von Volksliedkonzerten auf den Weg gebracht. Nach einem Adventskonzert im vergangen Jahr in Witzenhausen folgen im März nun drei weitere Chorkonzerte mit Gelegenheit zum Mitsingen.

Der Kasseler Bärenreiter-Verlag, der dem Volkslied seit jeher verbunden ist, hat aus diesem Anlass ein illustriertes Liederheft mit den 50 Lieblingsliedern herausgebracht, das die Konzertbesucher mit dem Eintritt erwerben. Wir sprachen mit der Bärenreiter-Verlegerin Prof. Barbara Scheuch-Vötterle über die Volkslied-Tradition des Verlages und über die Bedeutung der Singens.

Frau Scheuch-Vötterle, wann haben Sie zuletzt Volkslieder gesungen?

Barbara Scheuch-Vötterle: Das ist nicht lange her. Vor ein paar Tagen erst haben ich mit meinen Enkelkindern „Ein Männlein steht im Walde“ gesungen.

Wie ist denn der Bärenreiter-Verlag mit dem Thema Volkslied verbunden?

Scheuch-Vötterle: Volkslieder sind die Wurzeln des Verlages. Weil Noten so teuer waren, hat mein Vater Karl Vötterle in den 20er-Jahren zu den Singwochen günstige Chorblätter als Einblattdrucke herausgebracht. Das war der Beginn. Das Standardliederbuch des Verlages „Bruder Sänger“ ist erstmals 1951 erschienen und hat eine riesige Verbreitung gefunden. 2001 haben wir das große Kinderliederbuch „Der Liederbär“ herausgebracht. Und zum jetzt erscheinenden Liederheft ist für den Herbst bereits eine Fassung mit vierstimmigen Chorsätzen geplant - in Kooperation mit dem Mitteldeutschen Sängerbund.

Welchen Stellenwert messen Sie dem Singen von Volksliedern heute zu?

Scheuch-Vötterle: Über den pädagogischen Wert des Singen braucht man gar nicht zu reden. Jedes Kind hat ja schon mal ein Instrument mitbekommen - seine Stimme. Gemeinsames Singen kann viel bewirken. Es kann da ansetzen, wo Sprachbarrieren bestehen, es kann Kinder verschiedener Herkunft zusammenführen, und Kinder können auch durch das Singen in andere Kulturen eingeführt werden. Generell hat das Singen etwas sehr Verbindendes, auch für viele Ältere, die sich Chören und Singgruppen anschließen. Nicht zuletzt spielt auch der Erinnerungsfaktor eine Rolle.

Haben Sie ein Lieblingslied?

Scheuch-Vötterle: Für mich ist es „Auf, du junger Wandersmann“ - damit beginnt die Geschichte unseres Verlages.

Das Liederheft ist ab dem Wochenende auch in den HNA-Geschäftsstellen und im lokalen Buchhandel erhältlich. Preis: 9,95 Euro.

Von Werner Fritsch

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