Ricardo Tamura, Sara Eterno und Espen Fegran sind Protagonisten der Verdi-Oper, die am Samstag Premiere hat

Sie singen die Traumpartien des „Otello“

Singt die Desdemona: Sara Eterno.

Kassel. Für Ricardo Tamura (44) ist es eine Rückkehr - und was für eine! Von 1996 bis 1998 hatte der gebürtige Brasilianer am Kasseler Staatstheater sein erstes festes Engagement als lyrischer Tenor - mit eher kleinen Rollen. Nachdem er an vielen Bühnen Erfolge gesammelt hat und seine Stimme zum Spinto-Tenor (Heldentenor) gereift ist, kehrt er hierher zurück mit der bedeutendsten Tenorrolle, die die italienische Oper zu bieten hat: als Otello in Giuseppe Verdis gleichnamiger Oper.

Einmal den Otello zu singen, war immer Wunsch Tamuras, der sich nach einem Physik-Studium in Brasilien in New York zum Sänger ausbilden ließ. „Je schwerer, desto besser“, sagt Tamura über seine Entwicklung zum Tenore di forza (Spinto), denn in diesem Fach „sind die Ausdrucksmöglichkeiten am größten“. Und nirgendwo größer als in explosiven Otello-Partie, die Tamura nun bereits an der dritten Bühne verkörpert. Dass er sich auf Kassel besonders freut, hat einen weiteren Grund: Hier lernte er vor Jahren seine Frau kennen.

Mit großer Begeisterung spricht Sara Eterno (38) von ihrer Rolle: Desdemona. Und das hat mehrere Gründe: „Als Italienerin habe ich eine große Affinität zu dieser Rolle, weil ich in meiner Sprache singe. Es ist so, als würde man von sich erzählen.“ Tatsächlich ist Sara Eternos Heimatstadt Mailand auch die „Heimat“ der vorletzten Verdi-Oper. Dabei ist die Partie der Desdemona „schwieriger, als sie sich anhört“. Bei aller Sanftheit („konsequentes Legato ist wichtig“) ist Desdemona eine Figur von großer, wenn auch nicht vordergründiger Präsenz. Für Eterno, die in Kassel unter anderem als Manon Lescaut und Eva („Meistersinger“) Erfolge feierte, steht jedenfalls fest: „Desdemona ist meine Lieblingsrolle.“

Der norwegische Bariton Espen Fegran (53), der zu Spielzeitbeginn als phänomenaler „Lear“ zu erleben war, verkörpert als Jago eine der finstersten Figuren der Operngeschichte: „Eine Traumrolle, die man als Sänger erreichen will.“ „Auch die Figur des Lear war böse“, erinnert sich Fegran, „doch Jago ist anders: Er genießt das alles. Er kann mit Menschen umgehen, er zieht die Fäden.“ Wie der Librettist Arrigo Boito Jagos nihilistisches „Anti-Credo“ eingebaut hat, findet Fegran „fantastisch gemacht - wie ein Shakespeare-Monolog“.  Verdi: „Otello“. Premiere am Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus (ausverkauft). Nächste Vorstellung: 2.2., Karten: Tel. 0561 / 1094 222.

Von Werner Fritsch

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