Erstmals zehn deutschsprachige Alben in den Top Ten

Englisch war gestern: Die neue deutsche Welle in den Charts

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Ganz weit oben in den Charts: Der Essener Rapper KC Rebell (Rang 1)

Zum ersten Mal seit der Erfassung der deutschen Charts 1962 stehen zehn deutschsprachige Alben in den Top Ten. Aber ist das überhaupt gut?

Wer ist derzeit in den Top Ten? 

Gleich vier Rapper, zwei Best-of-Alben, zwei CDs aus erfolgreichen Fernsehformaten, die Schlager-Seefahrer Santiano sowie Sarah Connor, die eigentlich Sarah Marianne Corina Lewe heißt und nun zum ersten Mal ein Album auf Deutsch aufgenommen hat. Das trägt den passenden Titel „Muttersprache“.

Mit der Österreicherin Christina Stürmer und der Pop-Band Pur sind weitere alte Bekannte dabei, es gibt aber auch einige neue Namen, die beweisen, dass Deutschland ein offeneres Land geworden ist. Der Essener Rapper KC Rebell heißt eigentlich Hüseyin Kökseçen, hinter dem Frankfurter Duo Celo & Abdi stecken Erol Huseincehajic und Abderrahim el Ommali. Der deutsche Pop ist so bunt wie die deutsche Fußball-Nationalelf.

Was sind die Gründe für die neue deutsche Welle in den Charts? 

Sängerin Sarah Connor (4)

Den größten Anteil am Aufschwung hat eine Musikrichtung, die noch in den Kinderschuhen steckte, als Musiker wie Heinz Rudolf Kunze Mitte der 90er eine 40-Prozent-Quote für deutschsprachige Musik im Radio forderten. Heimischer HipHop ist sehr vielfältig und hat eine treue Fan-Gemeinde. Rap-Fans kaufen die Musik ihrer Helden lieber, statt sie illegal herunterzuladen. Manche nennen Deutschland bereits das „Land der Digger und Denker“.

Zudem hat Helene Fischer für den Schlager neue Zielgruppen erschlossen. Ihr „Farbenspiel“ war zwei Jahre lang das bestverkaufte Album und wird immer noch auf Rang 13 geführt. Der Hit „Atemlos“ hat gerade mit 852 000 verkauften Einheiten einen Download-Rekord aufgestellt.

Vor allem HipHop und Schlager waren dafür verantwortlich, dass in diesem Jahr in 21 von 25 Wochen ein deutschsprachiges Album auf Platz 1 der Charts stand. Dagegen sehen die Rocker alt aus.

Und was singen die Künstler? 

Manchmal Zeilen, bei denen man sich wünscht, kein Deutsch zu können. KC Rebell rappt: „Bitch, kein Problem, deine Pobacken zu klatschen, bis sie wabbeln, als würden sie ’ne La-Ola-Welle machen.“ Bei LX & Maxwell heißt es: „Wir rauchen Pflanzen mit einem Haufen von Schlampen.“

Pur-Frontmann Hartmut Engler (10)

Auch Pur sind nicht viel besser, wenn Hartmut Engler über „Lena“ singt: „Du bist Luft für mich, die ich zum Atmen brauch’, die Landebahn in meinem Bauch.“ Und ob Gregor Meyle Deutsch singt, ist nicht ganz klar: „Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah, Yeah. Hier spricht dein Herz.“

Trotzdem sieht Udo Dahmen, Direktor der Mannheimer Pop-Akademie, die Entwicklung positiv: „Die Selbstverständlichkeit deutschsprachiger Künstler in den Charts ist eine ganz andere als zur Zeit der Neuen Deutschen Welle Anfang der 80er.“

Spielen die Charts denn noch eine wichtige Rolle? 

Sie sind zumindest nicht mehr so wichtig wie früher. Seit 2004 ist der Umsatz des deutschen Musikmarkts von mehr als 2 auf 1,2 Milliarden Euro gesunken. Aber als Vermarktungsinstrument sind die Top Ten weiterhin nicht zu unterschätzen. Nur im Radio kommt das nicht an. Radio FFH und HR 3 spielten in ihren Morgensendungen 2013 gerade einmal sieben Prozent deutschsprachige Titel. Bei Radio HNA, dem Webradio unserer Tageszeitung, sind es dagegen dreißig Prozent.

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