Interview: Der Regisseur Detlev Buck über seine Romanverfilmung „Die Vermessung der Welt“

„So sinnlich wie möglich“

Mit „Die Vermessung der Welt“ hat sich Detlev Buck (49) an sein größtes Filmwerk gewagt. Rund zehn Millionen Euro soll die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Daniel Kehlmann gekostet haben. Die fiktive Doppelbiografie des Mathematikers Carl Friedrich Gauß und des Naturforschers Alexander von Humboldt war ein literarischer Welterfolg. Ein Abenteuer für den Regisseur Buck, der mit Filmen wie „Wir können auch anders“ und „Männerpension“ sein komödiantisches Talent unter Beweis stellte, aber auch Sozialdramen wie „Knallhart“ drehte.

Herr Buck, Sie haben „Die Vermessung der Welt“ mitten im südamerikanischen Urwald gedreht. Kamen Sie sich dabei selbst ein bisschen wie Humboldt vor?

Detlev Buck: Du findest die Welt des Alexander von Humboldt heute nicht mehr vor, die mussten wir schon herstellen. Wir hatten in Ecuador aber eine gute Betreuung und bekamen so auch Kontakt zu den Ureinwohnern. Die sind sogar zu uns gekommen, weil man mit einem Team von 150 Leuten nicht zu deren Stamm fahren kann. Das fand ich schon beeindruckend, auch wie die Ureinwohner die Dreharbeiten erlebten. Es war ihnen wichtig, dass manche Szenen etwas härter dargestellt werden, dafür haben sie sogar nackt in der Kälte gestanden. Sie wollten uns unterstützen, weil der Humboldt als Held verehrt wird.

Sind Sie manchmal an Ihre Grenzen gestoßen?

Buck: Ja, schon, aber nicht filmisch. Wir hatten alles so genau geplant, dass es wirklich wie am Schnürchen lief. Nur in der Vorbereitung war ich manchmal richtig platt und wusste nicht weiter. Beim Drehen war die volle Energie bei mir aber vorhanden. Manchmal war ich so hochgedreht, dass ich deshalb nicht schlafen konnte.

Vielleicht weil Sie zum ersten Mal einen Film in 3D drehen wollten?

Buck: Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Man sieht alles scharf und du musst deshalb präziser sein, aber auch aufpassen, dass du deine Schauspieler dabei nicht vernachlässigst. Am Ende scheint es jetzt das Normalste auf der Welt zu sein, „Die Vermessung der Welt“ in 3D zu sehen. Ich habe mir den Film jetzt mal in 2D angesehen, und es ist nicht das Gleiche. Du merkst am Schnitt, an der Auflösung und am Erleben, dass man diesen Film vor allem wegen der Tiefenschärfe in 3D sehen muss.

Warum war es Ihnen wichtig, „Die Vermessung der Welt“ in 3D zu drehen?

Buck: Als ich das Drehbuch zusammen mit Daniel Kehlmann bearbeitete, wurde deutlich, dass die klassische Struktur mit Protagonist und Antagonist hier nicht vorhanden ist. Das Buch ist nun mal eine Doppelbiografie, und so konnte ich nur versuchen, den Film so sinnlich wie möglich umzusetzen. An dieser Stelle wurde für mich klar, dass 3D Sinn macht.

„Die Vermessung der Welt“ galt lange Zeit als unverfilmbar. Wollten Sie den Gegenbeweis antreten?

Buck: Ich war mir mit Daniel Kehlmann schnell einig, dass es um die physische Wahrnehmung gehen muss. Ob Gauß nun einen Zahn gezogen bekommt oder aus dieser stickigen Schule ausbricht - es ist physisch, denn seine Zeit war physischer als unsere heutige, die immer mehr von der Digitalisierung bestimmt wird.

Gauß und Humboldt sind für ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Geschichtsbücher eingegangen. Wofür möchten Sie dort mal erwähnt werden?

Buck: Warum nicht mit „Die Vermessung der Welt“? Das ist ein schlaues Buch, und ich finde die Umsetzung rundherum besonders. Ich bin auch froh darüber, dass Daniel sagt, er freut sich über den Film. (ricore)

Von Markus Tschiedert

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