Thomas Pieper in der Rosenkranzkirche

Sisyphos der Orgel

KASSEL. Es war das letzte diesjährige Konzert in der Rosenkranzkirche außerhalb des liturgischen Rahmens. Ein besonderer Anlass, ein großes Finale. Doch vor Beginn wandte sich Regionalkantor Thomas Pieper ans Publikum: „Multip-le Ausfälle“ habe es in der Orgel gegeben, weshalb das vorgesehene Werk von Jean Langlais nicht zu realisieren sei. Eine „Erste-Hilfe-Aktion“ an der „Patientin“ habe ein Ersatzprogramm möglich gemacht.

Die sorgenvollen Worte gaben Einblicke in die Nöte eines Organisten, denn wenn sein Instrument massive Mängel aufweist und er nie weiß, ob es am nächsten Morgen funktioniert, gleicht seine Tätigkeit einer Sisyphos-Aufgabe. Das ist umso bedauerlicher, als Pieper ein souveräner, mit federndem Schwung spielender Musiker ist. Stringent, aber nie verbissen, bot er barocke Werke von Johann Sebastian Bach (Fantasie und Fuge c-Moll BWV 537) und Johann Ludwig Krebs sowie die zweite Orgelsonate des Jubilars Felix Mendelssohn Bartholdy.

Ein Ausflug in eher triviale Gefilde folgte mit Stücken des Engländers Percy Eastman Fletcher, bevor Pieper französische Klasse auffuhr und unter anderem die visionäre Kraft des dritten Chorals von César Franck suggestiv übermittelte. „Großartig“, „toll“ - solches Lob bekam Pieper zu hören. Man darf gespannt sein, wie es mit seiner Orgel weitergeht.

Von Georg Pepl

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