Bundeswehr zeigte sich empört

Skandal-Video von Joachim Witt soll indiziert werden

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Schock-Bilder: Das Lied „Gloria“ handelt von „der Sehnsucht nach vollendeter Harmonie“, wie Musiker Joachim Witt sagt. Im Video vergewaltigen deutsche Soldaten jedoch eine Frau.

Wahrscheinlich hat sich Joachim Witt das ganz anders vorgestellt, als er die Songs für sein Doppelabum „Dom“ aufnahm. „Eine Kathedrale der Popmusik“ habe er bauen wollen, sagte der Musiker. Aus der Kathedrale ist nun jedoch eine schmutzige Debatte geworden. Nun soll das Video sogar indiziert werden.

Die Bundeswehr fühlt sich vom Video zu Witts Single „Gloria“ in ihrer Ehre verletzt und Witt missverstanden.

Aktualisiert um 8 Uhr.

Anlass ist ein knapp fünfminütiger Clip, in dem deutsche Soldaten eine Frau vergewaltigen. „Ausgerechnet diejenigen, die seit Jahren ihren Kopf für dieses Land hinhalten, werden hier mit brutalen Gewaltverbrechern gleichgestellt“, kritisierte Ulrich Kirsch, Chef des Bundeswehrverbands (DBWV). Auch Jürgen Fischer, Soldat aus Gudensberg im Schwalm-Eder-Kreis und Medientrainer an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, postete die DBWV-Pressemitteilung bei Facebook. „Das haben die Soldaten nicht verdient“, sagt der 51-Jährige.

Hier geht es zum Video auf Youtube.

Fischer weiß, dass Krieg grausam ist, aber er fragt sich, warum Regisseur Specter, der sonst für die Krawallrapper Bushido und Sido arbeitet, ausgerechnet Bundeswehr-Soldaten zeigt.

Joachim Witt

In der Tat ist das Video ziemlich wirr. Das Lied, sagt Witt, der mit seinem 80er-Jahre-Hit „Goldener Reiter“ ein Star der Neuen Deutschen Welle war, handelt von der „ewigen Sehnsucht nach vollendeter Harmonie“. Doch die Bilder zeigen, wie sich zwei Soldaten bei der Vergewaltigung einer Frau von einem Kollegen filmen lassen. Später steigt ein Soldat mit Engelsflügen gen Himmel, eine Prozession wandert durch eine Landschaft, die aussieht, als läge die Bretagne im Hochgebirge, und eine Madonna versinkt im Fluss.

Auf Facebook hat sich Witt mittlerweile für die Verwendung der Hoheitszeichen entschuldigt. „Als ehemaliges Mitglied des Bundesgrenzschutzes respektiere ich die Arbeit der Bundeswehr“, schreibt der 63-Jährige, der mit seinem orchestralem Pathos-Pop („Die Flut“) Künstlern wie Unheilig den Weg in die Charts ebnete.

Jürgen Fischer

Im Internet tobt der Shitstorm trotzdem weiterhin. Angeblich hat Witt Morddrohungen erhalten und Personenschutz engagiert: „Ich habe das Gefühl, dass da draußen 200.000 bissige Hunde auf mich warten, die mich zerfleischen wollen.“

Diese Entwicklung ist auch für den Soldaten Fischer erschreckend. Mittlerweile würde er das Thema am liebsten ignorieren. „Mit unserem Protest“, sagt er, „geben wir ihm erst die Aufmerksamkeit, die er sich wünscht.“ Vielleicht hat sich Witt das eben doch so vorgestellt: „Dom“ ist auf Platz sechs der deutschen Album-Charts eingestiegen.

Mittlerweile hat das Bundesfamilienministerium beantragt, das Video zu indizieren. Sollte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Clip auf den Index setzen, dürften ihn nur noch Erwachsene sehen. So könnte "Gloria" erst Recht zum Hit werden, denn was verboten ist, weckt noch mehr Interesse.

Von Matthias Lohr

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