Vom Skandalrapper zum Sozialarbeiter: Sido in Göttingen

Bot eine spektakuläre Show: Der Berliner Rapper Sido in der Göttinger Lokhalle. Foto: Kuhl

Göttingen. Früher sorgte Sido mit expliziten Texten für Skandale, heute ist er als rappender Sozialarbeiter erfolgreich. Bei seinem Auftritt in Göttingen zeigte sich der Berliner gereift.

Ein lauter Knall, rote Bengalos, dichter Nebel, riesige Videoleinwände: Wie man eine spektakuläre Show eröffnet, dass versteht der Berliner HipHopper Sido wie kein Zweiter. „Los, zünde deine Fackel an / und mach die Hände hoch für den Maskenmann“, rappte der 35-Jährige zu Beginn seiner Show am Dienstagabend in der Göttinger Lokhalle.

Seine Maske hat der einstige Skandal-Rapper zwar schon länger beiseite gelegt. Dass er aber noch weit von Altersmilde entfernt scheint, bewies Sido einmal mehr. Paul Würdig ist längst im Mainstream angekommen, ab und zu kam in ihm aber der einstige Straßenjunge von damals durch. Etwa als er sich nach der Hälfte der Show erstmal einen Jägermeister gönnt, am Joint zieht und Songs aus einer Zeit anstimmt, als Sido noch weit entfernt von Chart-Erfolgen war.

Eröffnet wurde der Abend von Sidos langjährigem Freund B-Tight. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht und offensichtlich jeder Menge guter Laune, präsentierte B-Tight einige Songs aus seinem für Januar angekündigtem Album „Born 2 B-Tight“. Danach heizte MoTrip mit seinem Kollegen Jokamusic dem Publikum ordentlich ein. Der aus Aachen stammende Rapper landete mit seiner Single „So wie du bist“ gerade in den Top Ten.

Sido, der kürzlich sein sechstes Studioalbum „VI“ veröffentlichte, rappte in Göttingen einen Hit nach dem nächsten. Und davon hat er so einige im Gepäck, ganz gleich ob ältere Songs wie „Mein Block“ oder aktuelle Chart-Stürmer wie „Astronaut“.

Bilder von Flüchtlingen 

Die Show in Göttingen zeigte sehr schön, welch krassen Wandel der einstige Proll und Elternschreck vollzog. Während bei älteren Songs vor allem Wut, Hass und Straßenromantik zum Ausdruck kamen, sieht sich Sido heute scheinbar eher in der Rolle eines rappenden Sozialarbeiters. Er setzt nicht mehr auf Krawall, sondern auf Erziehung.

So wurde zu Beginn von „Astronaut“ ein riesiger „Refugees Welcome“-Schriftzug auf die Videoleinwand projiziert. Dazu kamen Bilder völlig verzweifelter Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror. In Songs wie „Augen auf“ richtet sich der Rapper hingegen an die Eltern seiner Fans. Sie sollten doch die Erziehung ernst nehmen. Und das von Sido - ganz ohne Ironie.

Die Stimmung war gut, was vermutlich auch dem altersmäßig durchmischten Publikum zu verdanken war. Sehr viele junge Fans fanden den Weg in die Lokhalle, einige brachten aber gleich ihre Eltern mit. Der Großteil war zwischen 18 und 30 Jahren alt.

Nach gut anderthalb Stunden verabschiedete sich der Star von seinem glücklichen Publikum. Als Zugabe rappte Sido noch „Bilder im Kopf“.

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