Arnold-Bode-Preis ging an Goshka Macuga

Skeptisch forschen

Begegnung im Fridericianum: Goshka Macuga (links) mit der Tochter Arnold Bodes, Kuratoriumsmitglied E.R. Nele. Foto: Fischer

Kassel. Goshka Macuga, die 1967 in Warschau geborene, in London lebende Künstlerin, erhielt den mit 10 000 Euro dotierten Arnold-Bode-Preis am Dienstagabend gleich doppelt: einmal unter Beifall und einmal unter Gelächter im brechend vollen Kunstverein im Fridericianum in Kassel.

Macuga hatte die Preisverleihung von einem Fotografen festhalten lassen. Das Material wird sie für ihre künstlerische Arbeit bei der documenta 13 nutzen. Und weil die Aufnahme der Preisübergabe durch Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Heiner Georgsdorf, den Vorsitzenden des Kuratoriums der Bode-Stiftung, nicht geglückt war, wurde sie für Macugas Fotografen wiederholt.

Das extrem helle Blitzlicht von dessen Kamera-Apparatur erinnerte stets daran, dass man eventuell Teil eines Kunstwerks werden könnte - Macuga bedankte sich knapp für diese Bereitschaft und bei allen, die bislang ihre Arbeit unterstützten. Große Ausstellungen hatte die am Central St. Martins und Goldsmiths College in London ausgebildete Künstlerin in Liverpool und Basel.

Carolyn Christov-Bakargiev, die als künstlerische Leiterin Macuga zur documenta 2012 eingeladen hat, stellte die in Kassel noch wenig geläufige Kandidatin für den Turner-Preis 2008 anhand von deren Ausstellung in der Whitechapel Gallery in London vor. Dort war 1939 Picassos „Guernica“ gezeigt worden. Macuga richtete einen Konferenzraum als Stätte des Lernens, des Austauschs und der Begegnung ein und öffnete ihn für örtliche Gruppen. An der Wand: der Teppich von Picassos berühmtem Gemälde, der zuvor seit 1985 im Vorraum des UN-Sicherheitsrats in New York gehangen hatte. Als US-Außenminister Colin Powell 2003 bei den Vereinten Nationen für den Irak-Krieg warb, war dieser Teppich verhängt worden.

Christov-Bakargiev arbeitete vielfältige, komplexe Bezüge heraus. Sie beschrieb Macuga als skeptische Forscherin und Wahrheitssucherin, die die vermeintliche Objektivität historischer Erzählungen auf den Prüfstand stellt, sich mit Produktion, Verbreitung und Archivierung von Wissen beschäftigt, den Kreislauf und Missbrauch politischer Zeichen und Symbole deutlich macht.

In früheren Jahren war die Preisverleihung, die an den documenta-Gründer und dessen „einzigartiges Vermächtnis“ (Hilgen) erinnert, mit einer Ausstellung verbunden. Diesmal war nur eine Dia-Show von Macugas Kunst zu sehen. Erst ab Juni 2012 wird man sie in Kassel besser kennenlernen können.

Von Mark-Christian von Busse

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